Unzucht überrascht mit „kopflosem“ Album – Akephalos

Mit Akephalos kommt ein kopfloser Dämon aus der Antike zu uns, der selbst in heutigen Kulturen noch eine Größe ist. Im altertümlichen Volksglauben der alten Ägypter handelte es sich bei Akephaloi um hingerichtete Verbrecher, die fortan kopflos durch das Reich der Toten wandeln mussten; quasi als Strafe für ihr Vergehen. 

Im deutschen Munde allerdings handelt es sich bei Akephaloi um Wiedergänger, die gewaltsam, und vor allem viel zu früh, getötet wurden. Ebenfalls als Kopflose müssen diejenigen herumirren, die auf Erden, zu Lebzeiten, unrechte Dinge taten, allerdings nie dafür belangt wurden. Laut der Mythologie sollen Menschen, die einen kopflosen Schatten erblicken, dem baldigen Tode geweiht sein. Also ab dem 27.07.2018 solltet ihr euch stets vergewissern, denn ab diesem Zeitpunkt erscheint der fünfte Silberling der Dark Rocker aus der Landeshauptstadt Niedersachsens. Das 11 Lieder starke Album erscheint als CD, wie auch als limitierte Fanedition mit edler Klappschatulle. Oberirr hat das Album vorab für euch angehört. Ob es sich lohnt? Was euch erwartet? Lest selbst:

Wer die Wege der freundlichen Unzucht schon etwas länger verfolgt, der weiß, dass die Jungs immer für eine Überraschung gut sind. So startet das neue Album nicht, wie alle Alben zuvor, mit einem sanften Intro. Die hart angespielte Gitarre, gefolgt von dem, was unsere Mütter „Krach“ nennen würden, sind so überhaupt nicht Unzucht-typisch und lassen einen aufhorchen. Chapeu, netter Catcher! DeClerq leitet mit einem satten „GO“ das „MG-Feuer“ von Projektil ein. Frontmann Daniel Schulz übernimmt nahtlos das Mikrofon und schmettert dem Hörer seine altbekannten, provokanten und verspielten Texte um die Ohren. Eine sehr schnelle und rockige Nummer, die eine schöne Überleitung zum bereits veröffentlichen Nela bietet. Bei diesem Song handelt es sich um eine ganz typische Unzucht Nummer. Man darf gespannt sein, wie die Hannoveraner eine schöne Live Performance zu diesem Song darbieten. Auch Der Tod in mir reiht sich in das Schema ein. Der Aufruf „Lass uns Leben wie der Tag“ zaubert unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht, während die Strophen eher im melancholischen Gewand daher kommen. Der darauf folgende Break ist makant. Von sehr rockigen Stücken wird es nun mit Die verbotene Frucht wesentlich synthetischer aus den Boxen. Leichte Elemente des Dup Steps, gepart mit Gitarreneinflüssen und Synth-Elementen umschließen den dargebotenen, düsteren Text über den alten Mythos über die verbotene Frucht; natürlich bezogen auf die Neuzeit. Diese kurzen Ausbrüche sind allerdings mit dem Titelsong Akephalos auch ganz schnell wieder wie weggewischt. Es wird wieder rockiger, geht schon fast in den Deutschrock „Feierbereich“. Nach den zwei textlichen Brocken in den vorherigen Stücken sicherlich eine gelungene Abwechslung, bevor es mit Du fehlst sehr ruhig wird. Wer bereits bei Nur die Ewigkeit, Kind von Traurigkeit und anderen Balladen einen Klos im Hals hatte, der hat mit diesem Stück seinen Endgegner gefunden. Eine sehr traurige Nummer, die tief in die Seele eindringt und den Hörer zum genauen Zuhören motiviert. Viel Zeit, um über das Seelenstück vom Schulz nachzudenken bietet die Scheibe allerdings nicht, denn schon mit Der schmale Grat versucht sich das Quartett erneut an einem neuen Genre. Diesmal bedienen sie sich einiger Einflüsse aus dem Synthi-Pop bereich. Ähnlich wie bei Kleine geile Nonne gelingt dies wieder einmal phänonemal. Daraufhin geht es mit Nur die halbe Wahrheit zurück zu den unzüchtigen Wurzeln. Eine sehr rockige und tanzbare Nummer ist entstanden. Das Gleiche trifft auch auf Nachts am Meer zu. Ich gehe davon aus, dass es bei Konzerten schwer werden wird nicht zu tanzen. In altbekannter Manier fesselt der Schulz die Hörer, während DeClerq an der Gitarre und Blaschke am Bass nach vorne treiben. Damit sich auch niemand eine Pause gönnt bei diesem Salvengewitter, peitscht von hinten der Fuhrmann an seinem Schlagzeug. Mal kurz nebenbei: Ich wüsste zu gerne, ob Tobi auch Fitnesstraining macht, denn Pause gönnt man ihm zwischen dieser Rocknummer und dem folgenden Fleisch und Ruinen nicht. Die tiefen Industrialeinflüsse und die drückende, kreischende Stimme Daniel DeClerqs geben dem Song etwas Bedrohliches. Der Titel des Songs steht für sich und umfasst den Text des Lieds sehr gut, sodass man sich jedes weitere Wort sparen kann. Den Abschluss der neuen Songs macht der Track Das sichere Ufer, das man nach dieser Achterbahnfahrt sicher auch nötig hat. Beruhigende Klänge flirren einem zu Beginn entgegen, bevor die Instrumente ihre Arbeit beginnen. Eine weitere typische Unzucht Nummer, die für Live Auftritte wie geboren erscheint; denn wie alle wissen liebt es die Unzucht mit ihrem Publikum zu feiern.

Als kleines Bonbon präsentieren uns die Rocker zum Abschluss der Platte ein Remake von Ein Wort fliegt wie ein Stein. Allerdings geben sich die Totentänzer vonSaltatio Mortis die Ehre und interpretieren das Stück als rockige Folknummer. Wirklich hörenswert!

Fazit:

Zugegeben, ich musste das Album wiederholt hören, um mich einzufinden.Die Aufmachung und Anordnung der Lieder ist aber meiner Meinung nach die mit Abstand Beste, die ich auf allen Alben vorfinden konnte. Eine geniale Abmischung zwischen Bekanntem, neuem Terrain und Balladen runden diese Scheibe einfach gnadenlos ab und macht sie zu einem wirklichen Juwel. Also für mich nach mehrmaligem Hören eine absolute Kaufempfehlung.

Text: Sebastian Degel