Portrait: Thomas Harm – “Jede meiner Gitarren ist ein Individuum.“

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Seit einem Vierteljahrhundert steht Cyanguitars für hochwertigste individuelle Musikinstrumente. Nun bringt uns der Filmemacher Rainer Binz den Mann hinter dieser Erfolgsgeschichte – Thomas Harm – mit dem lebendigen Porträt Der Gitarrenmann – The Real Guitar Hero bald näher. Anlass für uns die beiden Künstler im Interview über ihre jeweiligen Passionen plaudern zu lassen.

 

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Oberirr: Am 06.10.2016 ab 20:00 Uhr wird der Film Premiere feiern. Was erwartet den Zuschauer in diesen 30 Minuten?

Rainer: Der Zuschauer erlebt den leidenschaftlichen Gitarrenbauer Thomas Harm in seiner Werkstatt, die Dreh- und Angelpunkt seiner Welt ist und in der er eigentlich rund um die Uhr arbeitet. Als Zuschauer werden wir Teil dieser Welt und Teil dieser Leidenschaft. Es ist ein stiller und intimer Film, auch wenn es um laute Musik geht. Wer mit offenem Herzen schaut, sieht ganz viel drin.

Oberirr: Ist Cyanguitars ein Ein-Mann-Betrieb aus Überzeugung?

Daniel De Clercq (Unzucht) mit Hellraiser

Tom: Überzeugung? Eine Gitarre zu Bauen ist ein inniger Prozess mit dem Material, den eigenen Ansprüchen und natürlich den Wünschen der Kunden. Die Kunden, die sich eine Cyan Gitarre kaufen, kaufen nicht nur ein normales Instrument. Jede Gitarre ist so individuell wie meine gesamte Einstellung zum Gitarrenbau. Manchmal ändere ich Ideen auch während der Bauphase. Ich sträube mich nicht gegen Zusammenarbeit, aber mein Anspruch ist sehr hoch. Für die Metallarbeiten habe ich 2 Mitarbeiter gefunden, welche die Fräsarbeiten meiner Wünsche fertigen. In der Werkstatt bleibe ich aber lieber der Einsiedlerkrebs.

Oberirr: Seit wann tragen diese individuellen Instrumente den Namen Cyanguitars und wie kam es dazu?

Tom: Ich startete mit 2 anderen Jungs 1989 unter dem Namen Frame. Das Ganze dauerte aber nur 1/2 Jahr. Wir trennten uns, der Messestand war gebucht und ich bereits in voller Fahrt in meinem eigenem Traum:  Gitarrenbau! Formen, ein Name und und und mussten her. Ich hatte 4 Monate zur Messe. Cyan kam mir nicht etwa als Farbe in den Sinn, sondern resultierte aus einem Bandnamen einer Hamburger Indieband: Cyan Revue. Die Revue lies ich weg und Cyan war geboren.

Oberirr: Wie entstand die Idee zu diesem Projekt, beziehungsweise wie kam es zur Zusammenarbeit?

Rainer: Als ich mit einem Freund über Tom sprach, wurde die Idee, über ihn einen Film zu machen, geboren. Der eigentlich Anlass war, dass Tom nach 16 Jahren das erste Mal wieder auf der Musikmesse in Frankfurt war, um der Welt zu zeigen, was in den 16 Jahren bei ihm gegangen ist. Als ich dann durch einen Auftrag Tom nicht nach Frankfurt begleiten konnte, habe ich mich trotzdem entschieden den Film zu realisieren und alles aus der Perspektive der Werkstatt, seinem Kosmos zu erzählen. Und auch die Natur hilft mit die Geschichte zu erzählen. Wann die Sonne scheint und wann es regnet, es war wie ein Wunder.

Tom: Rainer ist ein Freund von mir. Normalerweise macht er Werbespots und viel kürzere Sachen. Er kam in die Werkstatt und erzählte, dass er einen Dokufilm machen wolle. Ich sagte: “Cool!”. Er meinte “Und Du bist mein Darsteller…”. Ein Film über mich? Gesagt getan, am nächsten Tag startete er das Projekt.

Oberirr: Über welchen Zeitraum zog sich die Entstehung dieses Dokumentarfilmes?

Rainer: Über 6 Monate, mit einem eintägigen Nachdreh.

img_9689kleinOberirr: Und wie war es für den Hauptdarsteller von einer Filmkamera über einen größeren Zeitraum begleitet zu werden?

Tom: Am Anfang war es ungewohnt, aber nach einer Weile beachtete ich Rainer einfach nicht mehr. Manchmal saß er schon vor der Werkstatt, wenn ich Morgens um die Ecke kam. Mit laufender Kamera versteht sich.

Oberirr: Nach so einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Gitarrenmann ergab sich doch sicher die eine oder andere Gelegenheit eine Cyanguitar in den Händen zu halten. Konnte Tom dich für das Musizieren begeistern?

Rainer: Ich hatte immer wieder mal eine Gitarre von Thomas in den Händen und bin total fasziniert von ihrer Verarbeitung und der wahnsinnigen Leidenschaft die da drin steckt. Das spürt man förmlich wenn man ein Instrument in der Hand hat. Für’s selber musizieren konnte Tom mich nicht begeistern, aber für seine Gitarren hat er mich begeistert. Ja und was seine Musiker mit den Gitarren machen. Wir waren ja zusammen auf dem Eisenvater-Konzert und da wird ja die EISENVATER-Gitarre von Markus E. Lipka gespielt. Das Konzert war der totale Hammer.

Oberirr: Tom, welches ist beim Fertigungsprozess einer Cyan-Custom-Gitarre eigentlich der schlimmste und der schönste Moment?

Tom: Schlimmster Moment ist ganz klar und immer wieder die Lackierung einer Fu-Signature Gitarre. Polyester Hochglanz ist die absolute Königsklasse. Mehr Stress, Gestank und Staub geht nicht. Der schönste Moment ist das Saitenaufziehen und die ersten Töne aus der Gitarre zu hören. Das ist magisch!! Die Geburt von Legenden…

Oberirr: Gab es Kundenwünsche, die dir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet hatten?

Tom: Eigentlich nicht. Nur bei einer der letzten Schöpfungen, der Empyrean, hatte ich meine Elektrokenntnis weit überschätzt und wäre ohne die Hilfe von Thomas Fanter niemals zum gewünschten Resultat gekommen. Etwas Besonderes zu schaffen erfordert eine gute Idee, Mut und natürlich die Gunst der Stunde. Es kann jederzeit passieren, das einiges schiefgeht. Die Kunst ist dann jedoch, das Projekt trotzdem perfekt zu Ende zu führen. Jede meiner Gitarren ist ein Individuum.

Chris Harms (Lord of the Lost) mit Emyprean

Rainer: (schwärmt) Seine Leidenschaft den Musikern das Instrument auf den Laib zu schneidern, ich glaube das ist wirklich einzigartig. Das sieht man aktuell ja auch wieder was Cyan für Lord of the Lost zaubert. Und jedes Mal setzt er noch einen drauf. Das ist großartig und einzigartig. Er ist gleichzeitig Künstler, ein großer Künstler und feinster Handwerker.

Oberirr: Mit was für einem Bier wird bei Cyanguitars auf ein neues Instrument angestoßen?

Tom: Es gibt ‘nen Kaffee in der Werkstatt. Ich trinke keinen Alkohol!

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Gared Dirge (Lord of the Lost) mit N.O.R.A.

In diesem Sinne: Startet am 06. Oktober zur Primetime den Rechner, geht auf www.dergitarrenmann.de, lehnt euch zurück und genießt diese besondere Doku bei einem leckeren, heißen Käffchen.

Einblicke in die Welt von Thomas Harm findet ihr auch in unserer Galerie:
Der Gitarrenmann – zu Besuch bei Cyan-Guitars in Hamburg

 

Text + Interview: Ginger Chan
Fotos: Estra Dragon, Norbert Reith & Steph Lensky