Review: MitGift – In Articulo Mortis

Wer bei “NDH” und “Dark Rock” an eine tiefe, teils rauchige und brachiale Männerstimme denkt, der könnte bei der Augsburger Truppe von MitGift eine kleine Überraschung erleben. Denn bereits seit der Gründung im Dezember 2013 ist das Mikro fest in Frauenhand. Aber wer sind MitGift eigentlich?

In der Urbesetzung sind das Sängerin Vroni H. (ehemals bei Eycromon), Gitarrist und Mastermind Stefan M. (ehemals bei Etwas Dein und Eycromon), Gitarrist Boris B., Bassistin Doris B. (ehemals Etwas Dein und Eycromon) und Schlagzeuger Eugen N. (ehemals bei Fabula Obscura). Im Laufe der Zeit verließen Doris und Eugen die Band jedoch aus privaten bzw. familiären Gründen, weshalb in der aktuellen Besetzung Chrissi W. (ehemals Hollywood Burnouts) am Bass und Chris Z. an den Drums ihr Können zum Besten geben. Dass dies eine vielversprechende Kombination ist zeigt sich spätestens dadurch, dass in den vier Jahren ihres Bestehens nicht nur auf diversen Festivals Konzerte gegeben wurden. MitGift hatten auch schon Auftritte als Support für namhafte Bands wie Crematory, Battle Scream, Voodooma, Erdling, Rabia Sorda und Unzucht.

MitGift – In Articulo Mortis

In Articulo Mortis” ist das Debut-Album der fünf Fuggerstädter, an dem von Februar bis November 2017 gearbeitet wurde, und das seit 20.11.2017 bei der Band direkt im Eigenvertrieb erhältlich ist. Vorher wurden lediglich drei Songs, die alle auf dem Album vertreten sind, online veröffentlicht.

Als Einstieg lässt “Rattenfänger” gleich mal durchblicken, was den Hörer erwartet. Bereits das Intro des Songs zeigt deutlich und ohne Zweifel, dass hier Musik der etwas härteren Art geboten wird. Spätestens mit Einsetzen der Rhythmus-Gitarre dürfte das auch dem letzten Zweifler klar sein. Der Mittelteil des Songs ist etwas langsamer gestaltet, was dem brachialen Sound aber absolut keinen Abbruch tut.

Tanzt!” beginnt sehr elektro-lastig, jedoch sollte man sich nicht davon täuschen lassen. Denn auch der zweite Song des Albums kommt gewaltig daher. Das Wechselspiel zwischen den Strophen mit männlicher Stimme und dem von Vroni gesungenen Refrain macht deutlich, dass der Titel ernst gemeint ist – “TANZT!”

MitGift gewähren aber auch beim gleichnamigen nächsten Song der Nackenmuskulatur keine Ruhepause. Wer lieber zur Luftgitarre greifen will, der wird von Beginn an durch die Lead-Gitarre zum Mitmachen ermuntert.

Engel der Nacht” kommt im Vergleich zu den bisherigen Stücken des Albums fast schon im Gewand einer Ballade daher. Das gedrosselte Tempo der Nummer knallt aber genau so druckvoll aus den Boxen. Bei diesem Lied ist Vroni´s Stimme für mich das berühmte Tüpfelchen auf dem i – druckvoll, dominant, voluminös. Man könnte meinen, dass hier die Musik auf die Stimme zugeschnitten wurde. Das Gitarrensolo hat mich beim ersten Hören sofort an Guns´n´Roses erinnert.

Mit “Idol” – neben “Rattenfänger” übrigens der zweite Titel des Albums, die vorab nur online veröffentlicht wurden – wird es wieder härter. Der Song ist perfekt an dieser Stelle des Albums plaziert, da er in gewisser Art und Weise eine Überleitung zum nächsten Titel darstellt.

Die dritte Online-Veröffentlichung der Band trägt den Titel “Schweres Wasser“. Feinster Rock mit viel Härte. Freunde des gepflegten Headbangings kommen hier voll auf ihre Kosten.

Nicht weniger donnernd und einschlagend geht es mit “Butzemann” weiter. Obwohl hier auch das gute alte Kinderlied vom Bi-Ba-Butzemann eingebunden ist, steht der Song in Sachen Härte und Geradlinigkeit seinem Vorgänger auf dem Album in nichts nach.

Der Text von “Nachtphantom” stammt noch aus der Feder von Gründungsmitglied und Ex-Bassistin Doris. Ruhige, düstere Strophen, in denen der Gesang hauptsächlich von Bass und Schlagzeug getragen wird, bilden einen wunderbaren Kontrast zum von den beiden Gitarren dominierten Refrain.

Auch bei “Uhrwerk” stammt der Text von einer Frau. Diesmal von Sängerin Vroni. Der Song ist eine musikalische Erinnerung daran, dass die Zeit schneller vorbei geht, als man oft meint, und jeder es selbst in der Hand hat, was er aus seinem Leben macht.

Abgrund” ist für meinen Geschmack das NDH-lastigste Stück der Scheibe. Kein Gitarrensolo, stattdessen von Anfang bis Ende geradliniger Sound. Die einzige Ausnahme bildet das kurze Zwischenspiel, in dem es kurzzeitig ein bißchen ruhiger wird, nur um dann wieder voll zuzuschlagen.

Einen gekonnten und würdigen Abschluß ihres Debut-Albums setzen MitGift mit der einzigen wirklichen Ballade “Blaubeer-Marie“. Durchgehend sphärische Klänge stehen im totalen Gegensatz zu den anderen zehn Stücken auf dem Album. Vroni zeigt hier, dass es auch anders geht. Mit klarer Stimme, viel Gefühl und einem Schuss Melancholie gesungen ist “Blaubeer-Marie” genau das Richtige, um die vorangegangene Härte auszugleichen und sich wieder zu beruhigen. Mein persönlicher Favorit des gesamten Albums, obwohl ich eigentlich eher ein Typ der härteren Gangart bin.

Mein Fazit:

Eine ganz eigene Variante deutschsprachiger Rockmusik, die zu gefallen versteht. “In Articulo Mortis” hat für jeden was zu bieten. Zwar erinnern mich die Gitarrensoli zum Teil an den Metal-Sound der 80er und 90er Jahre, doch lässt sich MitGift getrost dem “Dark Rock” zuordnen. Wer immer noch nicht verstanden hat, dass deutschsprachige Musik nicht nur aus Schlager und Rammstein besteht, der sollte sich unbedingt diese CD bei der Band beschaffen. Für Unentschlossene empfiehlt sich der Besuch eines Live-Auftritts. Die Möglichkeit hierzu besteht dieses Jahr noch.

16.12.2017 – Olching, Legends Lounge

17.12.2017 – Peiting, Frontstage Concerts

Beide Male treten MitGift als Support für The Maension auf. Seid dabei und lasst Euch überzeugen, dass zwischen Rammstein und Schlager noch sehr viel Spielraum für musikalische Kreativität ist. Man darf gespannt sein, was von dieser Band in der Zukunft noch kommt. Bleibt nur zu hoffen, dass man nicht zu lange auf einen Nachfolger warten muss. 

Text: Thali