Review: Goitzsche Front – Seines Glückes Schmied (16.02.2018)

Goitzsche Front selbstbewusst mit „Seines Glückes Schmied“ 

Die Region um den Goitzsche See, im Herzen Sachsen-Anhalts, ist in der Republik sicherlich durch den Braunkohle-Tageabbau bekannt. Die stillgelegten Werke und somit verwaiste Landschaft gaben einer jungen und aufstrebenden Rockband ihren Namen, die aus einer Bierlaune vor nunmehr 9 Jahren gegründet wurde und innerhalb kürzester Zeit Kultstatus erreichen konnte. Goitzsche Front überzeugte von Beginn an mit ehrlichen Texten, rockigen Melodien und kleinen Stichen in Richtung Regierung, sowie Bevölkerung, was gut anzukommen schien, denn schon in kürzester Zeit hatten die Rocker eine treue Fan-Familie hinter sich aufgebaut. Die Eroberung des Rests der Republik war somit nur ein logischer Schritt und so tourte das Quartett quer durch Deutschland, präsentierte ihre Musik auf diversen Festivals und eroberte bei den Auftritten die Herzen der Hörer, die sich daraufhin der Familie anschlossen.

Nun sind die Männer aus den Studios zurück und präsentieren ihren vierten Silberling. Mit diesem 17-Track starken Werk machen sie genau da weiter, wo sie mit dem vorherigen Album Mo[nu]ment aufgehört haben: Sie reiten auf der Erfolgswelle, ohne den Kontakt zum Boden zu verlieren. Ob sich die neue CD, die auf den Namen Seines Glückes Schmied hört, ebenfalls in den Charts verewigen kann, wird sich bald zeigen, denn Erscheinungsdatum ist bereits morgen, den 16. Februar.

Oberirr.de hat bereits hineingehört und gibt euch hier einen kleinen Einblick:

Nach einem Klick auf den „Play“-Button ertönt das Intro in den Lautsprechern. Der Hörer wird von Sägen und Hämmern entgegen genommen. Eine Gitarre spielt eine Melodie, die an eine Hymne erinnert. Der Gesang setzt ein. Beim Schließen der Augen entsteht das Gefühl man stehe im Stadion und die Fangesänge hallen von den Rängen, während im Hintergrund ein Hammer auf einen Amboss eindrischt. Praktisch fließend erfolgt der Übergang zum ersten wirklichen Song dieses Langspielers. Mit In alter Manier meldet sich Goitzsche Front auch bei ihren Fans und Hörern zurück und gibt die Marschrichtung für das neue Album vor. Die Liedzeile „wir stehen derbe unter Strom und holen den dicken Hammer raus“ lässt erahnen, dass das Quartett auch bei ihrem neuen Werk kein Blatt vor den Mund nehmen wird und dürfte auf Konzerten stark bejubelt werden. Nach der Begrüßung folgt das Ziel der „Veranstaltung“, wie jeder weiß und so beweisen die Rocker sogar Anstand und geben öffentlich ihr Ziel des Albums, in Form des Lieds N.S.O.W preis – die Vereinigung von Nord, Süd, Ost und West“. Genauso, wie der Opener, beweist der Refrain absoluten Wiedererkennungsweit und dürfte schnell zu einem Ohrwurm mutieren. Zwei Hymnen, die das Album eröffnen, leiten den Hörer daraufhin zu Diese Welt, dem ersten kritischen Lied. Rockig und melodisch präsentiert Goitzsche Front einen Aufruf zum Widerstand gegen das „Schwarmverhalten“ der Bevölkerung und stößt den Hörer auf gewisse Missstände, die es auszumerzen gilt. Dass die Band sich wirklich Gedanken über den Aufbau der einzelnen Songs gemacht hat beweist der Übergang von Diese Welt zum Titeltrack des Albums. Deines Glückes Schmied kommt in sehr melodisch rockigem Gewand daher und entspricht dem tanzbarsten Stück dieser Scheibe. Auf Konzerten dürfte es zum Pogen, sowie Feiern einladen und die Fans zu lautem Mitsingen animieren. Mit den Worten „Jeder ist seines Glückes Schmied, jeder kann entscheiden was er will und was er ist. Schür das Feuer in der Glut, Schlag zu so hart nie. Du bist dein Herr, du bist dein Meister, du bist Gott – du bist deines Glückes Schmied!“ wird der Hörer in Empfang genommen und auf Anhieb zum Springen und Singen eingeladen. Schnell und rockig wird der Song Meine Stadt eingeleitet. Ein kleines „Liebeslied“, geschrieben für ihre Heimat Bitterfeld-Wolfen, die mit allen Ecken und Kanten dafür sorgte, dass das Quartett nun so ist, wie es ist – kämpferisch, frontal, ehrlich und direkt. Das Thema Ehrlichkeit leitet den Hörer auch weiter zu Ewigkeit, der ersten wahren Ballade des Langspielers. Ein Song über gesagte Worte und deren Bedeutung bei zwischenmenschlichen Beziehungen; ein Song über den Schmerz, wenn man merkt, dass die Wortkombination „auf ewig“ anscheinend differenziert aufgefasst wird und den Umgang mit der Situation – eben typisch ehrlich Goitzsche Front! Deutschrock sollte aber mehr Musik zum Partymachen sein und daran erinnern sich die Jungs auch nach solch einem emotionalen Stück gerne zurück und so wird es mit ich bin zurück wieder etwas rockiger. Erneut ein schönes und geschicktes Anschlussstück, denn hier wird die emotionale Phase nach der Trauerphase beschrieben – die Phase, in der man realisiert, dass man eigentlich besser dran ist. Auch Frei zu sein, Denken tut nicht weh und 1000 Kilometer reihen sich in die angenehme Härte und rockigen Elemente des gesamten Tonträgers ein und lassen sich gut durchhören. Mit Unsere Fahnen wehen gilt es nun erneut zu springen, zu tanzen und zu singen. Die Liebe zum Fußball und den Wochenenden im Stadion wird besungen und bejubelt.

Hier allerdings ein kleines Zwischenfazit: Dieser Song erinnert doch sehr stark an die Songs, die von Anhängern der Kategorie C gesungen werden und Textpassagen wie „unser Blut für den Verein“ machen das leider nicht besser. Ansonsten, sofern man auf solche Aussagen nicht achtet, oder nicht so viel interpretiert, ein sehr hörenswertes Stück.

Weiter geht es mit Streichholz und Benzin – einem Song über eine weitere Phase bei der Überwindung einer gescheiterten Beziehung. Im Verarbeitungszyklus findet hier allerdings ein kleiner Bruch in der Zusammensetzung des Albums statt, wenn man penibel die Phasen der Bewältigung betrachtet (das Ganze natürlich mit einem Zwinkern und Grinsen im Gesicht). Rockig und direkt geht es in den Endspurt des Albums mit Ich mach mein Scheiß allein, bevor mit Tag des Regens die zweite Ballade und gleichzeitig vorletzte Lied die Trauer um einen davongegangenen Freund besungen wird. Goitzsche Freund verabschiedet sich von ihren Fans mit Hol dir den Augenblick zurück. Wieder in sehr rockigem Gewand fordert das Quartett seine Hörer auf sich an alles Schöne zu erinnern und die Energie für neue Herausforderungen und Aufgaben zu nutzen. Auch hier ist ein sehr tanzbarer Song geboren worden, der bei Live-Auftritten für lauten Gesang sorgen dürfte. Das abschließende Outro präsentiert sich als Gegenstück zum Intro. In Kombination stellen Beide einen angenehmen Rahmen um das Album und lassen dem Hörer die Möglichkeit angenehm in die Wirklichkeit gebracht zu werden.

Fazit:

Den Namen Goitzsche Front hatte ich im Vorfeld zwar mal gelesen, aber nie ein Lied der Band gehört. Allerdings hat mich dieses Album wirklich überzeugt. Nicht nur, dass jeder einzelne Song für sich wirklich hörenswert ist, sondern auch der komplette Aufbau des Langspielers ist sehr gut durchdacht und umgesetzt. Es wirkt so, als erzähle uns das Quartett aus dem Osten eine Geschichte auf dieser CD, die sie mit 17 Liedern wirklich vollgepackt haben. Für Jeden, der gerne Deutschrock hört, lohnt sich diese CD auf jeden Fall. Für unentschlossene kann ich nur eine dringende Empfehlung aussprechen, denn diese junge, ostdeutsche Band hat es wirklich in sich.

Goitzsche Front live:

Die einzelnen Songs des Albums bieten sich für eine Tour geradezu an, das wissen auch die Rocker aus Sachsen-Anhalt, und somit wird das Werk auch bei diversen Konzerten präsentiert. Hier ist allerdings zu sagen, dass die Goitzsche Front absichtlich kleine Locations ausgewählt hat, um eine Art Wohnzimmer-Atmosphäre zu schaffen. „So hautnah gibt es die Jungs selten“, so die Presseabteilung.

Tickets gibt es bei allen bekannten Vorverkaufstellen

Tourdaten:

16.02.2018 DE Rostock // Alte Zuckerfabrik
17.02.2018 DE Bad Salzungen // KW 70
23.02.2018 DE Luckenwalde // Wunderbar
24.02.2018 DE Gera // Comma
02.03.2018 DE Glauchau // Alte Spinnerei
03.03.2018 DE Oschatz // Ewerk
10.03.2018 DE Lübeck // Riders

https://www.goitzschefront.de/

Text: Sebastian Degel