Portrait: Merch, braucht man das eigentlich?

Wie Lord of the Lost am 07.08.2015 via Facebook verkünden mussten, wurde ihr Merchandise aus dem bandeigenen Auto gewaltsam entwendet. Es sind doch nur T-Shirts.“ mag sich der Eine oder Andere sagen. „Wieso widmet man dem Thema einen ganzen Artikel? Das ist zwar schade, aber für sowas ist man doch versichert.

Nun, wir wollen einfach mal die Gelegenheit nutzen, im Allgemeinen darüber zu sprechen, warum es so wichtig für Bands ist, dass man Merchandise erwirbt. Klar, logisch. Jedes verkaufte Shirt oder CD-Pack spült Geld in die Kasse. Für den Fan macht es daher keinen Unterschied, ob sie/er nun online oder vor Ort sein Geld ausgibt – oder doch?

Für uns jedoch Grund genug den Bands der MAKE LOVE MAKE WAR Tour auf den Zahn zu fühlen und ihre Sicht der Dinge zu erfahren.

LOTL Flyer Make Love Make War

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Gared Dirge für Lord of the Lost:

„Wozu Merchandise? Warum kann man sich nicht auch bei H&M oder KiK einkleiden? Es gibt zweierlei Punkte, – einer aus Fan-Sicht, der andere aus Band-Sicht – die absolut FÜR Merchandise sprechen.

Wir halten uns in einer Szene auf, in der es, wie in kaum einer anderen, sehr stark um die äußere Erscheinung und um Standpunkte, Geschmäcker und auch Bandvorlieben, mit denen man sich als Fan identifiziert, geht. Sicher, T-Shirts und andere Textilien werden von Bands schon seit Jahrzehnten vertrieben, aber gerade heutzutage, wo es immer schwieriger wird, sich von der Masse abzuheben, aber gleichermaßen auch immer wichtiger, sein Statement nach außen zu tragen, erfährt Band-Merch eine schiere Hochkonjunktur.

Wo aber soll der Unterschied zwischen einem Online- bzw. Ladenkauf und dem Kauf nach einem Konzert liegen? Ganz klar, im Online-Shop erweist sich die Anprobe als eher schwierig. Zwar heißt es unsere Merch-Fee auch nicht gerade willkommen, wenn man sich nach einem Konzert in der Schlange vor dem Merchstand erstmal obenrum freimacht, um die richtige Größe des Shirts oder dergleichen zu erörtern, aber was definitiv FÜR das Shopping bei/nach einem Konzert spricht, ist, dass man aus der Euphorie eines (im Optimalfalle) schönen Konzertes heraus Käufe tätigt, mit denen man anschließend einen schönen Abend und ein geiles Konzerterlebnis verbindet. Es ist also die emotionale Komponente, die diese Art des Merch-Einkaufens für Fans so interessant und auch wichtig macht.

Die Band-Sicht der ganzen Sache ist so simpel wie auch einleuchtend: Zum einen freut es uns natürlich sehr zu sehen, wenn Fans unsere T-Shirts/Hoodies/etc. tragen, die ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl verleihen und die Fans untereinander verbinden. Auch der Spread-The-Word-Effekt davon ist natürlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Aber daneben gibt es unumgänglicherweise auch den leidigen Finanz-Aspekt: In der heutigen Musikindustrie ist es für uns Musiker schlichtweg unmöglich, alleinig von CD-Verkäufen bzw. legalen Downloads und Streamingservices zu leben. Also spielt – neben Konzertgagen – natürlich auch eine breite Palette an Merchprodukten eine große Rolle, um uns das, was wir machen, wofür wir leben, wovon wir immer geträumt haben und womit wir letztendlich Euch alle glücklich machen, auch noch für eine lange Zeit weiterhin zu ermöglichen. Passion hin oder her, aber es gibt nichts Schlimmeres als an dem, was man liebt zu tun, bankrott zu gehen. Und es ist uns auch völlig recht, wenn sich aufgrund solcher Aussagen, die ich hier von mir gebe, diverse „Hater“ wieder das Maul im Rahmen einer Kommerz-Diskussion zerreißen. Da stehen wir drüber!“

Rupert Keplinger für Darkhaus:

Der Verkauf von Merchandise erlaubt es uns, weiter Musik zu machen und auf Tour zu gehen. Ohne diese direkte Unterstützung der Fans an die Band wäre das für uns nicht möglich. Und abgesehen davon macht es uns jedes Mal sehr stolz, wenn wir DARKHAUS-Shirts im Publikum entdecken, das ist eine sehr schöne und motivierende Form der Anerkennung!“

Kris, Dario, Gregor, Cosmo für Vlad in Tears:

Konzerte und Merch sind die wichtigsten Dinge für eine Band. Konzerte sind beispielsweise der einzige Weg mit den Fans von Angesicht zu Angesicht in Kontakt zu treten und sie von dir zu überzeugen. Manchmal ist der Verkauf an der Merch-Ecke auch mehr ein Vorwand, um Zeit mit ihnen verbringen zu können, aber es ist auch der einzige Weg Geld zu verdienen. Darum machen wir auch Spezialangebote und arbeiten an speziellen Ideen – alles für unsere Fans. Wir versuchen die beste Balance zwischen den Kosten und den Produkten zu finden, die wir verkaufen. Tatsächlich haben wir für die neue Tour einige Spezial-Pakete zusammengestellt, für rund 20 Euro zum Beispiel, die verschiedene Dinge enthalten werden. Shopping mag jeder, es ist wie eine Therapie und wir wollen unsere Fans glücklich sehen! Also vertraut uns, wenn wir euch sagen: Ihr werden damit sehr glücklich sein, mehr als jemals zuvor!“

Dirk „Trashedsoul“ Wieczorek für Eyes Shut Tight:

Es ist schön zu sehen, wenn Fans sich mit einem identifizieren können. Das bedeutet, man hat sie erreicht. Somit freuen wir uns immer, wenn jemand auf unserem Konzert eine CD kauft. Da weiß man, man hat seinen Job gut gemacht. Dennoch ist Merch aber auch eine Notwendigkeit für uns, da die Einnahmen es uns ermöglichen weiter unsere Projekte zu realisieren. Es ist ein Geben und Nehmen würde ich sagen.“

Neill Devin für Erdling:

Der Verkauf von Merchandise-Artikeln hat nicht nur den bloßen Werbezweck oder ist als „nettes Nebeneinkommen“ zu betiteln. Da die CD-Verkäufe in unserer heutigen Zeit immer mehr zurückgehen, die Leute kaum noch „normale“ CDs kaufen, gehören Merchandise-Artikel samt Konzert-Gagen zum finanziellen Fundament und Hauptkapital einer Band. Einen Großteil unserer Tourneen können wir nur durch den Verkauf von Merchandise finanzieren und haben dabei längst keinen Gewinn gemacht. Daher sind T-Shirts, Zipper, Beutel, Spezialeditionen etc. absolut nicht wegzudenken. Ich glaube sogar, dass jede Band, die nicht auf Merchandise achtet, relativ schnell pleite geht. Dazu kommt natürlich auch der Bestätigungseffekt. Es ist einfach unfassbar motivierend, jemanden mit einem Bandshirt zu sehen, wo der eigene Bandname draufsteht. Da habe ich als Jugendlicher immer von geträumt und das macht mich unglaublich stolz und treibt mich an, weiterzumachen.“

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Nach diesen Worten bleibt eigentlich nichts mehr zu sagen, außer: Schaut bei einem Konzert doch öfter einmal am Merch-Stand vorbei. Ihr sorgt mit einem Erwerb vor Ort dafür, dass die Bands Benzingeld haben, ihr eine Erinnerung an den Abend in den Händen halten könnt, der Schwarzmarkt (kein Wortspiel, das heißt wirklich so 😉 ) keine Chance hat und ihr garantiert die für euch passende Kleidergröße mit nach Hause nehmt. Gleichzeitig könnt ihr auch eure Musiksammlung mit aufstocken. Und ein nettes Lächeln von Nadja gibt es sicher gratis oben drauf. 🙂

 

Lord of the Lost + Darkhaus – MAKE LOVE MAKE WAR Tour 2015

17.09.2015 [DE] – Wuppertal, LCB (Support: Vlad In Tears)
18.09.2015 [DE] – Karlsruhe, Substage (Support: Vlad In Tears)
19.09.2015 [DE] – Kaiserslautern, Kammgarn (Support: Vlad In Tears)
20.09.2015 [DE] – Nürnberg, Hirsch (Support: Vlad In Tears)
24.09.2015 [DE] – Augsburg, Spectrum (Support: Vlad In Tears)
25.09.2015 [DE] – Freising, Lindenkeller (Support: Vlad In Tears)
01.10.2015 [DE] – Rostock, Mau (Support: Eyes Shut Tight)
02.10.2015 [DE] – Potsdam, Waschhaus (Support: Eyes Shut Tight)
03.10.2015 [DE] – Erfurt, HSD (Support: Eyes Shut Tight)
08.10.2015 [DE] – Stuttgart, Cann (Support: Eyes Shut Tight)
09.10.2015 [DE] – Dresden, Tante Ju (Support: Eyes Shut Tight)
10.10.2015 [DE] – Kiel, Orange Club (Support: Eyes Shut Tight)
03.12.2015 [DE] – Magdeburg, Factory (Support: Erdling)
04.12.2015 [DE] – Hannover, Musikzentrum (Support: Erdling)
05.12.2015 [DE] – Gießen, Jokus (Support: Erdling)

Tickets: lordofthelost.extratix.de

 

Text + Interview: Ginger Chan