Ost+Front startet mit Adrenalin in das Jahr

Ost+Front startet mit Adrenalin in das Jahr

Wenn von Kannibalismus die Rede ist, ein Gangbang in seiner vollen Bandbreite beschrieben und Facefuck als Liebeslied betitelt wird, oder Kinderlieder, wie Sonne Mond und Sterne, umfunktioniert werden, dann kann nur von einer deutschsprachigen Band die Rede sein. Die Berliner Rocker von Ost+Front sind schon seit langer Zeit ein Garant für erbarmungslose Texte und harte Melodien, was sie auf ihren bisherigen Alben bereits eindrucksvoll unter Beweis stellten. 
Seit 2008 marschiert das Sextett um Sänger Herrmann Ostfront stetig voran und spaltet die Republik mit ihrer harten Musik und ihrem extravagantem Aussehen bei Live-Auftritten.

Ihr Debütalbum präsentierten sie 2012, unter dem Namen Ave Maria. Eklatante Texte sorgten dafür, dass der Silberling als USK 18 eingestuft und mit einer netten roten Plakette versehen wurde. Das darauffolgende Album Olympia (2014) stieg auf Platz 25 in den deutschen Albumcharts ein und wurde quer durch die Republik beworben und live gespielt. Unter anderem traten die Rüpel aus dem Osten, neben ihren Headliner Shows, bereits beim Herzblut Festival, auf dem M’era Luna und dem Amphi Festival auf, bevor sie sich in die Studios zurückzogen, um an ihrem dritten Studioalbum Ultra zu arbeiten, welches 2016 auf dem CD-Markt erschien. Auch zu diesem Album gab eine große Tour durch Europa, sowie einige Auftritte bei Festivals.

Für ihr nun viertes Album holte sich die Band nun Unterstützung von den schwedischen Fascination Street Studios, welche in der Vergangenheit bereits mit Künstlern, wie Amon Amarth, Arch Enemy und Kreator zusammen gearbeitet haben. Der neue Silberling wird ab dem 16. Februar 2018 an allen bekannten Stellen zu erwerben sein und erscheint in differenzierten Formaten. Von der normalen CD, über die Deluxe Doppel-CD besteht für Liebhaber von Schallplatten die Möglichkeit das neue Album auf Doppel-Vinyl zu erstehen. Doch auch der treue Fan soll nicht zu kurz kommen und somit wurde eine limitierte Fanbox erstellt, welche neben der neuen Scheibe ein Bonus live Doppel-Album aus Moskau, sowie ein handsigniertes Zertifikat, einen Ost+Front Aufkleber, sowie eine Flagge enthält.

Den Anfang des Silberlings macht der Titelsong zum Album. Adrenalin startet in altgewohnter Ost+Front Manier mit durchdringenden Gitarrenriffs, bevor Herrmann dem Sound seine Stimme verleiht. Die Vielseitigkeit des vierten Albums wurde von der Presseabteilung der Band im Vorfeld sehr explizit angekündigt, wovon sich der Hörer beim folgenden Lied Heavy Metal selbst überzeugen kann. Hier bedienen sich die Berliner einiger Aspekte des klassischen Heavy Metals, funktionieren Diese etwas um und basteln eine neue Kreation, die man gut und gerne „Ost+Front-Metal“ taufen dürfte. Heavy Metal ist zum Mitklatschen, tanzen, saufen und Mitbrüllen gedacht und dürfte auf kommenden Konzerten ein starkes „Gute Laune Lied“ bilden, welches vor Ohrwurmcharakter nur so strotzt. Weiter geht es mit Disco Bukkake, ein Lied, wie es nur von dieser Band so inszeniert werden kann, ohne dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und sich fragt, wie man denn auf solche Texte kommt. Verglichen werden könnte es mit Liebeslied, oder auch Gangbang. Mit den Worten „Make america great again“ wird man daraufhin bei U.S.A. begrüßt. Nach 911 wohl der zweite Song, den die Rüpel aus dem Osten unseren „westlichen Freunden über’m großen Teich“ widmen. Eine sehr harte Wortwahl lässt den Hörer stellenweise dicke Backen machen und entlockt hier und da ein Schmunzeln, was in ein breites Grinsen übergeht. Es folgt der eingängige Song Puppenjunge, der vom Aufbau und der Melodie ein wenig an das Denkelied erinnert – was allerdings keinesfalls negativ zu sehen ist. Auch hier haben Herrmann und seine Mannen es geschafft einen Song mit Wiedererkennungswert zu erschaffen, bei dem man spätestens beim zweiten Mal hören den Refrain mitsingen und feiern kann. Blattzeit präsentiert sich wieder etwas weniger melodisch und – wie die Presseabteilung von Ost+Front es so schön formulierte – mehr auf die Fresse. Ein Song zum Mitgröhlen, Pogen und Headbangen. Ein sehr rhythmischer Sound, gepaart mit Herrmanns eindringlicher Sprechstimme sorgen bei diesem Song für einen kleinen Extraschub Adrenalin beim Hörer. Das darauffolgende Arm und Reich dürfte den Fans und Hörern der Berliner Band bereits ein Begriff sein, denn dieser Song erschien bereits als Singleauskopplung und wurde schon mit zugehörigem Video vorgestellt. Dass sich eine „böse“ Band gerne auch mit den weiblichen Abgründen der sexuellen Lust und den masochistischen Zügen einiger Herren der Schöpfung befasst, das wird bei Böses Mädchen thematisiert. Angelehnt an ich liebe es bietet dieser Track eine schöne Symbiose zwischen dem harten Sprech- und dem gesungenen Teil. Wenn man den Bericht von Anfang an aufmerksam gelesen hat, so sollte einem auffallen, dass Ost+Front dieses Jahr ihr 10 jähriges Jubiläum feiern. Mit dem Song 10 Jahre Ost+Front feiert die Band sich, sowie ihre Neider und Fans. Die Textpassage „10 Jahre Ost+Front, kein bisschen leise… wir nehmen dich mit auf unsere Reise zu den Abgründen der Menschheit, zu den Schatten im Verstand, stehen wir durch Seite an Seite, nimm dein Schicksal in die Hand“ umschreiben die Musiker eindrucksvoll, was sie mit ihrer Musik eigentlich bezwecken wollen und schlagen verbal eine kleine Kerbe in die Voreingenommenheit der Kritiker. Darüber hinaus haben die Berliner diesen Jubiläumssong wie eine rockige Hymne aufgebaut, sodass Sie auf Konzerten mit großer Wahrscheinlichkeit recht schnell von Allen mitgefeiert wird. Der nachfolgende Song Edelweiß präsentiert sich etwas ruhiger und ist wohl als eine Art „Ballade“ anzusehen – was man bei Ost+Front auch immer als Ballade bezeichnen kann. Es folgt der Songs Hans guck in die Luft, welcher ebenfalls ruhiger und balladenartig gehalten ist und davon berichtet, dass der Erzähler schon als Kind wesentlich lieber ein Engel gewesen wäre, damit er frei durch die Luft fliegen kann, bevor mit Du gehst mir unter die Haut eine Hommage an das Tattoo präsentiert wird. Den Abschluss der ersten CD macht der Track Alte Liebe. Ein würdiger Abschluss dieses Albums, der erneut etwas rockiger aufgemacht ist.

Wer sich die Deluxe Doppel-CD erstanden hat, der wird sich über vier weitere Tracks freuen. Den Anfang von CD 2 macht Ich will alles, erneut ein brachiales Werk über Medikamentensucht, in altbekannter harter Ost+Front Manier, bevor mit Bluthund ein mehr elektronisches Werk präsentiert wird. Die dritte Ballade der Platte Adrenalin wird durch das Lied Rosenkavalier präsentiert. Ein Song zum Mitsingen und Schunkeln, bevor mit Willenskraft ein eindringliches und gelungenes Ende der Doppel-CD ertönt.

Fazit
„Auf ihrem neuen Album gehen Ost+Front noch weiter an ihre Grenzen, als jemals zuvor“ lautet es im Pressetext über das neue Album. Diesem Statement kann ich weitgehend zustimmen. Die Berliner haben bei dieser Platte einen sehr hörenswerten Mix aus verschiedenen Genres gezaubert, ohne dabei jemals ihre unverkennbare eigene Note außer Acht zu lassen. Eindrucksvoll beweisen sie, dass auch Metal-Elemente, Polka und NDW nahtlos in ihre Musik einzubauen sind. Ein Album, das an Vielseitigkeit kaum zu übertreffen ist und in keinem CD-Regal von Fans der NDH und vor allem bei keinem Ost+Front Fan fehlen darf. Gespannt darf man sein, wie die Songs live vorgetragen werden und wie die Show zu einzelnen Liedern wohl aussieht, bedenkt man, dass auf bisherigen Konzerten Songs, wie Feuerwasser, ein absolutes Highlight darstellen. Denn auch auf dem neuen Album sind sicherlich einige Möglichkeiten für Interaktion mit dem Publikum gegeben.

Ost+Front live

Natürlich muss auch das vierte Album – und gleichzeitig Jubiläumsalbum – gebührend gefeiert werden.

16.02.2018 DE Berlin U5 Club 
17.02.2018 DE Magdeburg Altes Theater 
24.02.2018 CZ Brno Fleda Club 
25.02.2018 AT Wien Viper Room 
03.03.2018 PL Warschau Voodoo Club 
10.03.2018 DE Wolfhagen-Ippinghausen 
07.04.2018 DE Hannover Subkultur 
11.04.2018 DE Nürnberg Der Cult 
14.04.2018 IT Prato Exenzia 
15.04.2018 DE Augsburg Spectrum 
27.04.2018 DE Weissenhäuser Strand Plage Noir 
28.04.2018 DE Zwickau Alter Gasometer
05.05.2018 DE Berlin Out of Line Weekender
12.05.2018 DE Wittenberge Die Elbe brennt
26.05.2018 DE Braunschweig Herzblut Festival

Weitere Informationen

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Text: Sebastian