Lord Of The Lost – Till Death Us Do Part – Best Of (Limited Edition) – 4CD DigiBox

Ein zehnjähriges Band-Jubiläum also, welches nicht nur in Form der vier Shows zum Jahresende gekrönt wird, sondern auch mit gleich vier CDs des Best of „Till Death Us Do Part“. Fanliebe wird hier groß geschrieben oder eher tätowiert, denn „Till Death Us Do Part“ steht auf der Brust eines Fans, der hierfür sehr gerne bereit stand um das Cover der neuesten Lord of the Lost Scheibe zu zieren. Es erinnert leicht an Chris Harms‘ auffälliges Brust-Tattoo welches vor zehn Jahren für das Cover ihrer Erstsingle „Dry the Rain“ und des später folgenden Debutalbums „Fears“ ebenfalls der Hingucker ist.

In diesen zehn Jahren ist jedoch so viel veröffentlicht worden, dass das Best of schon fast überraschend kommt; sechs Studioalben in zehn Jahren schafft nicht jede Band – und vor allem nicht durchgehend auf dem selben qualitativen Niveau.

 

Die erste CD ist die Essenz eines jeden Best ofs und wird auch als solche einzeln angeboten: die Hits und Fanlieblinge einer Band zusammengestellt auf einer einzigen CD, bestenfalls mit einem Exklusivsong. Dieser befindet sich auch schon an erster Stelle, es ist eine Neuaufnahme des gleichnamigen Songs. „Till Death Us Do Part“ kommt in einer neuen Version daher, wie schon „Dry The Rain“ in der 2014er-Version, welche auch hierfür ausgesucht wurde. Neben zwei EP-eigenen Songs („Beyond Beautiful“ und „Full Metal Whore“) finden von jedem Album drei Songs Platz – „Antagony“ mit nur zwei Positionen ausgenommen.

Die Tracklist ist absteigend nach Veröffentlichung der gewählten Fassung zusammengestellt und bietet mit insgesamt 19 Stücken den optimalen Querschnitt durch die Besten von Lord of the Lost.

 

Die zweite CD beinhält Raritäten und B-Seiten der Band, die in den zehn Jahren nicht geizte um Fans fortwährend mit Material abseits der Alben zu versorgen. Entgegen der Veröffentlichungsreihenfolge der ersten CD wurden die Songs hier gemischt zusammengestellt, doch das ist vollkommen unerheblich um hier wieder die Vielfalt von Lord of the Lost aufzuzeigen.

Für die Fans, die erst später dazustoßen und keine alten Singles oder Bonus CDs mehr erwerben können oder nicht nur auf Spotify zurückgreifen wollen, ist dies die beste Gelegenheit all diese exklusiven Songs nun zu besitzen ohne auf große Suche gehen zu müssen, da nahezu alle B-Seiten mit dieser Auswahl abgedeckt worden sind. Nebenbei bemerkt kommt das Remastering vor allem den wenigen Liedern zugute, die bisher nur im Rahmen der Sonic Seducer-Sampler erschienen.

Zwischen all den Originalen möchte man die spanische Version von „La Bomba“ hervorheben, die mit der Hilfe von Der Schulz (Unzucht) und Erk Aicrag (Hocico, Rabia Sorda) umgesetzt wurde.

Wer mit der reinen Studioarbeit der Band schon vollends zufrieden ist, der kann somit also getrost auf die 2CD-Version des Best ofs zurückgreifen.

 

Ansonsten sei den Sammlern des erweiterten Katalogs geraten auf die limitierte 4CD-Box zu schielen, denn hier werden bei CD Nummer drei ein Bruchteil der vielen Remixe präsentiert, welche die Band in einem sehr veränderten Soundgewand zeigt oder gar komplett neu interpretiert. Die Remix-Sammlung der CD3 wird aber auch digital erhältlich sein.

Wieder beginnt die Auswahl mit einem eigens hierfür veröffentlichten Schmankerl; den Solar Fake Remix von „Raining Stars“. Die Tanzfläche ist soeben eröffnet worden und weiter geht es mit abwechselnd elektronischen oder gitarrenlastigen Remixen namhafter Künstler der schwarzen Szene, die es alle mächtig in sich haben um einen die imaginäre Aftershowparty des soeben überstandenen Best-of-Konzertes zu versüßen. Auch hier hat sich Der Schulz nicht nehmen lassen ein paar Vocals für den Unzucht-Remix aufzunehmen.

Im letzten Drittel wird es besonders amüsant, da hier die drei Neuinterpretationen vorliegen, bevor dem ersten Hit „Dry The Rain“ gleich dreimal gehuldigt wird. Vom Walzer zum Swing wird man hier von anderen Tanzarten außerhalb der Electro-Metal-Machart verführt – Hut ab an Coppelius und Rocksin dafür. „La Bomba“ wurde abermals von Lord of the Lost eigenhändig verändert oder eher latinisiert. Kommen wir nun zu meinem geheimen Highlight, das ich erst durch diese CD entdecken durfte: der PcatchU Remix von „Dry the Rain“ katapultiert mich zurück in meine Kindheit und Jugend, denn er klingt als hätten Cher und Basshunter diesen angefertigt. Dabei ist dies ein reiner Fan-Remix, der schon seit 2010 auf YouTube zu finden ist und in unfassbaren 4 Stunden gemacht wurde.

 

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss – ob das bei einer Zusammenstellung des Besten auch zutrifft? Es braucht jedenfalls eine gehörige Portion Mut als Künstler seine unfertigen Werke der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen. Doch genau das ist der dankbare Service an die langjährigen Fans, die sich wahrscheinlich schon mehr als einmal fragten, wie ihre Lieblingssongs entstanden oder ganz am Anfang klangen.

Analog zur CD1 erleben wir hier eine umgekehrt chronologische Zeitreise und wieder einmal läutet der Song „Till Death Us Do Part“ das Erlebnis ein. Wie auch die anderen vier 2008er Demos ist der Song dem finalen Ergebnis auf „Fears“ sehr ähnlich, zeigt jedoch sehr anschaulich wie Chris Harms die Kompositionen schon fein säuberlich skizziert hat bevor sie mit u.a. richtigem Schlagzeug neu aufgenommen wurden.

Die drei Vagueness Demos sind untereinander grundverschieden, „Fragmenting Facade“ ist deutlich elektronischer, „Beyond Beautiful“ experimenteller und „Seven Days of Anavrin“ beides zusammen und insgesamt ruhiger als ihre finalen Versionen auf „Antagony“ oder der „Besides & Beyond“ EP.

„Angel7“ muss auch irgendeine Skizze sein, jedoch kann ich die Melodie beim besten Willen nicht zuordnen und nachdem ich mich auf die Suche begab, schwirren zu meinem Bedauern nun allerlei verschiedene Songs in meinem Kopf.

„Revelation 777“ der Philiae Demos diente als Vorlage für „Die Tomorrow“, hier erkennt man eindeutig die Leadmelodie hinter dem Hauptriff, sowie die Gesangsmelodie im Refrain. „Heaven Holds A Place“ als Urfassung von „From Venus To Mars“ ist gleich zweimal vertreten, die frühere Version von 1997 hat sogar fast Lagerfeuerromantik, so schön roh klingt die Aufnahme. „Eclipsed by Eternity“ ist trotz der Datierung von 1999 als Komposition sehr gut erhalten geblieben um erst 2011 als „Prison“ bekannt zu werden, auch damals inklusive Kopfstimme im Refrain.

Zum Abschluss ertönt „The Eyes of Love are Blind“, welches bisher am Ende von „Fears“ versteckt war.


Lord Of The Lost – Till Death Us Do Part – Best Of (Limited Edition) – 4CD DigiBox

Erscheinungsdatum 09.08.2019 bei outofline

Tracks:
CD 1 – Best Of
1. Till Death Us Do Part (2019)
2. Loreley
3. Morgana
4. Black Halo
5. Drag Me to Hell
6. In Silence
7. Raining Stars
8. Full Metal Whore
9. Dry The Rain (2014)
10. La Bomba
11. Six Feet Underground
12. Fists Up In The Air
13. Beyond Beautiful
14. Die Tomorrow
15. Blood For Blood
16. See You Soon
17. Sex On Legs
18. Prison
19. Break Your Heart

CD 2 – Rarities
1. One World No Future
2. Death Doesn‘t Kill You But I Do
3. Built To Break
4. The Most Radical Thing To Do
5. La Bomba – Versión Español (feat. Der Schulz & Erk Aicrag)
6. Do You Wanna Die Without A Scar
7. This War
8. When You‘re Asleep
9. Morsal
10. Another Sunny Day In Paradise
11. Take The Pain Away
12. I.D.G.A.F
13. One Day Everything Will Be Okay
14. Trisma
15. Words Of Sadness
16. Zillah
17. Marching Into Sunset (feat. Erk Aicrag)
18. Love In A Time Of War

CD 3 – Remixes
1. Raining Stars (SOLAR FAKE Remix)
2. La Bomba (Remixed by BLUTENGEL)
3. See You Soon (SVBWAY TO SALLY Remix)
4. Six Feet Underground (CHROM Remix)
5. Die Tomorrow (STAUBKIND Remix)
6. Afterlife Of Death (Afterlife Remix by UNZUCHT)
7. Blood For Blood (A LIFE DIVIDED Club Remix)
8. Break Your Heart (STAHLMANN Rebuild Mix)
9. 666 Feet Underground (Six Feet Underground Remix by DEATH VALLEY HIGH)
10. Full Metal Whore (DOPE STARS INC. Remix)
11. Kill It With Fire (But Kill It Good – RABIA SORDA Version)
12. Sex On Legs (FORMALIN Club Mix)
13. Blood For Blood (Ein Walzer für Klarinette und Pianoforte by COPPELIUS)
14. La(tin) Bomba (Official Not Exactly Very Dark Remix)
15. Die Tomorrow (Swing Tomorrow Version by ROCKSIN)
16. Dry The Rain (Re-Encoded by MICHAEL JÜRGENS)
17. Dry The Rain (Remix by PcatchU)
18. Dry The Rain (Orchestra Version feat. MONO INC.)

CD 4 – Demos
1. Till Death Us Do Part (Demo 2008)
2. Dry The Rain (Demo 2008)
3. Sooner Or Later (Demo 2008)
4. Nothing Words Can Say (Demo 2008)
5. Not From This World (Demo 2008)
6. Fragmenting Facade (VAGUENESS version 2004)
7. Beyond Beautiful (VAGUENESS version 2004)
8. Seven Days Of Anavrin (VAGUENESS version 2004)
9. Angel7 (CHRIS HARMS Demo 2000)
10 Revelation 777 (PHILIAE Demo 1999)
11. Heaven Holds A Place (PHILIAE Demo 1999)
12. Eclipsed By Eternity (PHILIAE Demo 1999)
13. Heaven Holds a Place (PHILIAE Demo 1997)

Super Sweet Surprise Bonus:
14. The Eyes Of Love Are Blind

Text: Mickaël Pasquier