Live-Review: 3. Rock4Peace Festival | Flensburg | 09.09.2017

Gegen “Hass” gab es Widerstand zu hören, der alles andere als nur leise war, eher unzüchtig und laut!
Gegen “Krieg” gab es eine klare Ansage zu hören: Das Maß ist voll!
Gegen “Terror” gab es ein gepfeffertes “Fick dich” inklusive erhobenen Mittelfinger!

Diese deutlichen Zeichen und noch mehr wurden vorletztes Wochenende beim Rock4Peace gesetzt. Zwar wollte das Wetter anfangs nicht so richtig mitspielen, doch war dies kein Hindernis für die Besucher, nicht ausgiebig mit zu rocken. Erst recht, wenn es ein Festival mit solch einer Botschaft ist, die auf der ganzen Welt verbreitet werden sollte: Wir sind laut gegen alles Negative, das den Frieden und das friedliche Leben miteinander stört und stören will!

Beginnend mit dem einstündigen Friedensmarsch, der Peace Parade, hinter dem Soundtruck her, welcher quer durch die Flensburger Innenstadt zog, wurden die Besucher schon einmal gut auf das kommende musikalische Angebot des Festivals eingestimmt: Dark Rock, NDH und allerhand andere Musik härterer Gangart gab es auf die Ohren. Wieder am Veranstaltungsort angekommen, starteten sogleich die Flensburger Musikerinnen Lena Mahrt & Greta Thiesen mit ihrem Programm. Im Anschluss gab es Hard-Rock von Dead Men’s Hand und Tote Hosen Cover-Songs von den 5 Kleinen Jägermeistern zu hören.

Weiter ging es dann mit Schattenmann, die sich die Ehre gaben in der schönen Hafenstadt Flensburg auf diesem besonderen Festival zu spielen (ein Vorab-Interview mit Frontmann Frank Herzig findet ihr hier). Sie gab es sogar gleich zweimal zu sehen und hören: auf dem Festival selbst und später auf der Aftershowparty im Roxy Concerts. Des Weiteren feierte der neue SchattenmannDrummer Nils Kinzig sein Debüt – ein Schlagzeuger, wie man ihn sich nur wünschen kann. Die 4-Mann starke Band um Sänger Frank Herzig zog die Massen wie magisch an und zeigte, was es heißt das Leben ordentlich zu feiern und zu genießen. Auf der Setlist hatten sie unter anderem Tracks wie Gekentert, Böser Mann & Brennendes Eis mit dabei.

Nach einer kleinen Umbaupause wurde es unzüchtig und ganz schön laut, denn ein allseits bekannter Spruch des Frontmannes der Unzucht, Daniel Schulz, lautet ja: “Macht maaaaal Krach!“. Und die Rock4Peace-Besucher folgten dieser Anweisung. Mit dabei hatten die 4 sympathischen Dark-Rocker u.a. Songs ihres zuletzt erschienen Studioalbums Neuntöter und der kürzlich erst erschienen Live-CD/DVD Widerstand (hier unser Review dazu).

Den wohl passendste Track des Abends lieferte die freundliche Unzucht von nebenan mit Widerstand. Mit diesem Song drückten sie einmal mehr aus, wofür sie am diesem Abend auftraten und einstanden. Aber nicht nur dieses Lied sorgte für einen lauten Abend, sondern auch Songs wie Engel der Vernichtung, Schwarzes Blut & Der dunkle See sorgten für Mitgesinge, Freude und Partystimmung auf dem Open Air Gelände. Was will man mehr als geile Musik in einer tollen Atmosphäre mit einem dazugehörigen Flensburger Pils?! Genau – noch mehr Unzucht

Wie also den Übergang zur nächsten und somit letzten Band, dem Headliner des Festivals, gestalten? Double-Stage-Diving lautet hier die Antwort! 
Dazu gleich mehr…

Erstmal zum Auftritt von Heldmaschine: Wer schon mal auf einem Konzert der Jungs von Heldmaschine war, der weiß auch, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es um Klartext sprechen geht. Paradebeispiel hierfür ist ihr Song Das Maß ist voll. So heißt es in diesem Lied auch: “Viel Geplapper ohne Sinn. Futterkoma – Doppelkinn. Die Herde kaut den Medienbrei und gründet eine Angstpartei.”. Dies ist aber nicht ihr einziger Track, der die Menschen wachrütteln soll und zeitgleich nachdenklich stimmt. Auch der Song Alles Eins in dem es heißt “Moral verblasst – im Eigenschutz. So kommt es halt – zum Artenschutz.”, bringt es auf dem Punkt.

Jetzt aber wieder zurück zum Thema Double-Stage-Diving: Stage-Diving oder Crowd-Surfing ist immer etwas besonderes. Nicht nur, dass die Musiker sich auf ihre Fans verlassen müssen, von diesen auch getragen zu werden, nein auch die Fans sind ihren Lieblingen einmal ganz nah. Und an diesem Abend stürzte sich nicht nur Heldmaschine Frontmann René Anlauff in die Menge, sondern auch Der Schulz von der Unzucht badete gemeinsam mit seinen Musikerkollegen und Kumpel René “in” bzw. “auf” der Fan-Menge. Liebenswert, verrückt und weltoffen ging ein wundervoller Abend zu Ende.

Naja, fast… denn es gab ja noch die Aftershowparty im Roxy Concerts. Unweit vom Festivalgelände entfernt, zogen die Leute zur Party mit den DJs Der Schulz und Gunnar Würfel, sowie zur zweiten Show von Schattenmann. Die Nürnberger Band zeigte keine Spur von Erschöpfung, sondern powerte sich noch einmal so richtig aus, um ihren Fans eine unvergessliche Nacht zu bescheren. Sei es mit der Kettensäge bei Amok oder mit der Flinte bei 9mm – alles, was ein Schattengirl bzw. Schattenmann der ersten Stunde kennt und liebt, war dabei. Ein ereignisreicher Abend mit einem legendären Ende.

Oberirr sagt herzlichst Danke und freut sich auf das nächste Rock4Peace in 2018.

 

Text: Angy B.
Fotos: Mena Mi | Bat-Things.de