Live-Review: PALAST | Leipzig | 02.10.2017

Petrus mag Synth Pop! Der Gedanke kam mir, als die dicke Regenwolkendecke, die bereits den ganze Tag schon quer über Sachsen lag, an diesem 2. Oktober zum Abend hin aufriss. Denn so gelangte man Gott sei Dank trockenen Fußes in die Moritzbastei zu Leipzig für das Konzert der ersten Headlinertour von PALAST

Gut 30 Leute hatten sich schon im Konzertsaal eingefunden, als „der Support der Supportband“ – wie Frontmann Georg Randel es charmant ausdrückte – pünktlich um 20 Uhr den Abend eröffnete. Doch recht bald schon, angezogen von den Sound der Dresdner Band, traten auch die Gäste näher, die zuvor noch ein Glas Wein oder Bier im Restaurant genossen hatten.

Mich hatten St George bereits beim 2. Song Citylights gekriegt. Dieses Trio hat definitiv Feuer im Blut. Und Applaus gab es wie bei den Großen. Verdienterweise, denn St George performten auch wie die Großen und stehen diesen musikalisch in nichts nach. Einen Eindruck davon bekommt ihr mit dem Debütalbum Goldwerth, was unter www.stgeorgeofficial.com/music zur Verfügung steht und echt Gold wert ist. 

Und noch ein wenig näher traten die Leipziger + Zugereiste, als 20:50 Uhr eben jede Band die kleine Bühne betrat, die St George angekündigt hatten: Future Trail brachten mit ihrer Frontfrau den weiblichen Touch in diesen Abend, der ganz im Zeichen des Synth Pop stand. Sanft und gefühlvoll gingen Natural Matters und Move And Turn durch das Publikum hindurch. Sängerin Mel Gúntzelsson lebte förmlich die Lyrics, die sie gemeinsam mit GuBo für das ebenfalls in Sachsen beheimatete Musikprojekt – was mit einer bereits 16-jährigen Bandgeschichte und je 2 Alben und 2 EPs äußerst vielseitig ist – entwickelt. Eine Kostprobe davon gab es schon beim 3. Song Escape. Denn nun wurde nach der sanften Einführung ein Gang höher geschaltet mit einem wunderbar tanzbaren Clubsound, wie das Publikum vor Ort bewies und ohne weitere Aufforderung den Beat rhythmisch mitklatschte. Der Sound von Keyboarder René Müller war auch einfach zu eingängig, um sich dagegen zu wehren. Mit dem Song Whisper My Message verabschiedete sich das sympathische Duo und katapultierte einen nochmal direkt in die 80er zurück, in denen Neonlichtern, Schulterpolstern und Cadillacs den Lifestyle ausmachten.

Gegen 22 Uhr war es dann soweit, als die weißen Regenschirme auf der Bühne in pastellrosa Farben angespottet wurden und im blauen Licht der Scheinwerfer zum Intro von Shut the Door PALAST ihren Einstand auf der Bühne der Moritzbastei feierten. Sogleich ließen sie ihren elektronisch-kantigen Synthie-Sound auf das in der Zwischenzeit auf gut 100 Personen angewachsene Publikum los. Für die nächsten 1,5 Stunden präsentierte die Berliner Combo sich als Gesamtkunstwerk, angefangen von den Instrumentenaufbau und der Bühnendekoration, welche durch die Lichttechnik perfekt in Szene gesetzt wurden, bis hin zum eigenen Fashionstyle und den Showeinlagen der Musiker selbst. Wenn zum Beispiel Sänger Sascha Pace einen eleganten Hüftschwung zu She Can Dance präsentiert, Tommy Apus allein schon durch die Art seiner Gesangseinlagen den besonderen Look kreiert und Marc Engel sich die Keytar um die Schultern legt und bei Get Me über die Bühne tänzelt. Wie man erahnen kann, wurde es locker-leicht, melodisch-tanzbar und sehr unterhaltsam.

Den Song Stand Up, der auf dem im Frühjahr erschienen Debütalbum vertreten ist, leitete Sascha Pace dann mit ein paar persönlichen Worten ein und erinnerte uns daran, dass es da draußen Menschen gibt, die jeden Tag um das nackte Überleben kämpfen und nicht nur einfach ein paar First World Problems vor sich herschieben. Und ich stimme da vollkommen zu: Ab und zu die eigene Existenz in das Verhältnis setzen und sich in der Welt umschauen. Und sei es nur das das eigene Schicksal in Relation gesetzt wird um festzustellen, dass es gar nicht so schlimm ist.

Mit dem letzten Stück vor der Zugabe wurde es für mich Zeit die Arbeit als Redakteurin einzustellen, die Augen zu schließen und dieses Lied auf mich einwirken zu lassen, denn durch die Gewölbeakustik, das Scheinwerferlicht und die Liveatmosphäre entfaltete Best Of Me erst so richtig seine Wirkung. Wie ihr lest, ist es schwer so ein Gefühl zu beschreiben, weshalb Stift und Zettel in der Tasche blieben. 🙂

Abgeschlossen wurde dieser Abend dann mit den für mich persönlich stärksten Nummern, die schon in den Studionversionen auf der EP und der CD genial waren und den Live-Versionen in nichts nachstanden – Hush und Nightfall. Ja, an diesem Montag hatte PALAST wirklich ein kleines Potpourie aus Debüt-Album und EP zusammengestellt, wie es Mastermind Sascha Pace selbst so treffend formulierte. Und die Wahl der beiden Supportbands St George und Future Trail war absolut geglückt. Es gab keinen Stilbruch und keine Langeweile. Alle drei Bands für sich sind ein Garant für einen schönen Konzertabend.

Für weitere Auftritte von St George und Future Trail behaltet ihre Facebook-Seiten im Auge. PALAST kann man in Sachsen dann schon wieder am 25.12.2017 erleben zum 21. Dark Storm Festival.

 

Setlist St George: Control / Citylights / Trixx / Monster / Goldwerth / Runner

Setlist Future Trail: Natural Matters / Move And Turn / Escape / Sad Life Play A Melody / The Wildes Part / Smart Window / Whisper My Message

Setlist PALAST: Shut the Door / Just Friends / She Can Dance / Get Me / Crucify / Tell Me Why / Stand Up / Mirror Mirror / Strong / Best Of Me / Hush / Nightfall

 

Text: Ginger Chan
Fotos: Micha Bock | Micha Bock Photography