Live-Review: 18. Castle Rock Festival | Mühlheim | 30.06.-01.07.2017

Das Castle Rock wird volljährig, das muss ausgiebig gefeiert werden!“ – mit dieser Aussage lockte Michael Bohnes auch 2017 die „schwarze Wahlfamilie mit Herz“ ins Schloss Broich in Mülheim. Das Festival, welches am 30.06. und 01.07.2017 stattfand, gilt schon lange als Garant für ein familiäres Miteinander und ist durchaus beliebt in der Schwarzen Szene. Anlässlich des 18. Geburtstags wurde ein passendes Line-Up auf die Beine gestellt und so durften sich Besucher von Nah und Fern auf nationale und internationale Giganten – wie DARKHAUS, Ost+Front, The Dark Tenor, Crematory und Moonspell – freuen.

Schon bei Ankunft an der Location am Freitag erstreckte sich das Schloss majestätisch über die Innenstadt von Mülheim. Eingehüllt in satte Sonnenstrahlen und bei angenehmen Temperaturen wartete die „Feiermeute“ vor den beiden Eingängen zum Eventbereich. Der Wetterbericht hatte für dieses Wochenende einen Mix aus Sonne und Regen vorausgesagt, doch davon war freitags nicht zu erahnen, denn der Himmel war vielleicht zwischenzeitlich etwas wolkenbehangen, doch von Regen war weit und breit nichts zu sehen. Das Thermometer zeigte angenehme 20°C – also perfekte Voraussetzungen für den ersten Tag der großen Party. Der Schlosshof und die angrenzenden Wiesen waren frisch geschnitten, sodass das kurze Verschnaufen außerhalb des Festivalgeländes ebenfalls bedenkenlos möglich war. Während des Wartens vernahm man aus dem Innenhof bereits die ersten Klänge der Soundchecks und fleißige Helferlein bereiteten die letzten Kleinigkeiten vor, damit das Festival ein voller Erfolg werden konnte.

Pünktlich um 17:30 Uhr wurden die Pforten geöffnet und die Besucher strömten in den Innenhof des Schlosses. Man begrüßte alte und neue Bekannte und deckte sich mit den ersten Wertmarken ein – welche, wohlgemerkt, ein wenig teurer waren, als im Vorjahr (eine lag bei 3,70€, wobei 1,00€ Pfand im Preis mit inbegriffen war), doch bei einer Marke pro Getränk waren die Preise für ein Festival noch immer mehr als im Rahmen. Auch für den kleinen Hunger war natürlich vorbildlich gesorgt. Direkt neben den Getränkeständen befand sich die „Fressecke“, in der Gegrilltes, Pommes, Gemüsepfanne und Kuchen angeboten wurden. Der Duft des Grillguts zog durch das Schloss, die Sonne lachte auf die Besucher herab, die Getränke waren besorgt… also Zeit sich vor der Bühne zu platzieren und auf den ersten Act des Abends zu warten.

Der deutschsprachigen Band Maerzfeld wurde die Ehre zuteil das Castle Rock XVIII einläuten. In Empfang genommen wurden die Besucher mit der Musik einer Truppe, die sich als Markenzeichen „brachiale, schweißtreibende Handarbeit“ auf die Flagge geschrieben hat. Ihren Mix aus Industrial, Metal und Rock pfefferten die Mannen um Sänger Heli Reißenweber den bereits Angereisten voller Inbrunst entgegen. Neben altbekannten Songs, wie dem Ohrwurm La Petite Morte, ihrer Hymne Maerzfeld und dem Track Ich Flieg, erfreuten die Rocker aus dem Süden der Republik die Zuhörer mit Titeln, die auf dem kommenden Album (Veröffentlichung im September) zu finden sein werden. Für bereits eingefleischte Fans ein wahrer Leckerbissen, für die „Neu-Fans“ sehr interessant, doch leider mit dem etwas bitteren Beigeschmack, dass das Mitsingen leider nur bedingt realisierbar war. Nichtsdestotrotz feierte der bereits mit Leben gefüllte Innenhof kräftig mit und belohnte Maerzfeld immer wieder mit lautem Klatschen, Mitsingen und Jubel!

Die bereits eingeheizte Menge konnte dann unter der Flagge von Serenity nahtlos weiterfeiern. Die Symphonic Metaller aus Österreich ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass sie wissen, wie Party gemacht wird. Frontmann Georg Neuhauser war direkt in seinem Element und interagierte fröhlich mit dem Publikum. Performed wurden Songs, quer durch die Palette der bisherigen Werke des Quartetts, wie Follow Me – lädt spontan zum Mittanzen ein, Spirit In The Flesh und Rust Of Coming Ages – hier bekamen auch die Headbanger unter den Anwesenden etwas geboten. Serenity feuerte ein massives Feuerwerk auf die Menge nieder, das Bühnenoutfit wirkte fast aristokratisch, aber nicht übertrieben, die Wahlfamilie feierte und tanzte zu den Songs und die Sonne meinte es wahrlich gut. Alles in allem ein sehr gelungener Auftritt, bevor der heimliche „Headliner“ des Freitags die Bühne entern konnte.

Mit der Band DARKHAUS holte Michael Bohnes einen alten Bekannten zurück in die Schlossmauern. Die Dark Rocker aus Schottland waren bereits im Vorjahr auf dem Castle Rock zu sehen und begeisterten schon damals die Menge. Im Vergleich muss man eindeutig sagen, dass der Auftritt 2017 wesentlich besser und abgestimmter ablief, als beim Castle Rock 2016. Das Wetter meinte zwar, dass ein zwischenzeitlicher leichter Regen angemessen wäre, Sänger Ken Hanlon, seine Band und die Zuhörer ließen sich davon allerdings nicht entmutigen und feierten gemeinsam auf Songs wie All Of Nothing, Second Chance, Ghost und Don’t Close Your Eyes. Mit dem abschließenden Werk Breaking The Silence sorgte das Quintett ein letztes Mal für ein kollektives Mitsingen der Fans und verabschiedete sich unter tosendem Applaus von der Stage, damit der Bühnenumbau für den offiziellen Headliner dieses Abends beginnen konnte. Wie schon 2016 war der Main Act am Freitag etwas spezieller und reihte sich nicht wirklich in den Metal und Rock Bereich ein.

 

 

Mit klassischen Einflüssen (für das Castle Rock XVII wurde das Lord of the Lost Ensemble eingeladen) ging auch der Abend des ersten Tages zu Ende. Ein Mann, der die klassische Musik von hinten aufzurollen versucht, betrat die Bühne. The Dark Tenor feierte an diesem Wochenende seine „Entjungferung“, war es doch das erste Festival, auf welchem er bis zu diesem Zeitpunkt spielte. Unter dem Hashtag #klassikistgeil hat er sich zum Ziel gesetzt alte, klassische Melodien mit Gitarren, Schlagzeug, sowie Cello zu kombinieren und, mit Gesang versehen, eine perfekte Symbiose zu erschaffen. Es kristallisierte sich allerdings recht schnell heraus, wer mit dieser Art der Musik etwas anfangen kann und wer nicht, denn die ersten Besucher verabschiedeten sich nach den ersten Tönen vom Festivalgelände. Andere wiederum rückten näher nach vorne und genossen die Setlist des Tenors, der zwischendurch immer wieder anhielt und etwas über die folgenden Werke berichtete. So spielte sich die Band durch die beiden bereits veröffentlichten Alben Symphony of Light und Nightfall Symphony und brachte Songs wie Renegades, River Flows On The Edge, Heart Of Gold und After tTe Nightmare. Er forderte das Publikum auf Fotos und Videos zu machen, diese unter dem obengenannten Hashtag zu publizieren und ihm somit zu helfen die klassische Musik wieder bekannter werden zu lassen. Selbst das Wetter meinte es anscheinend gut mit den Festivalbesuchern, denn beim Auftritt des Dark Tenors fiel kein einziger Regentropfen und sogar die Sonne kam wieder etwas durch. Um Punkt 22:00 hieß es dann „Break“, denn der erste Tag war geschafft und voller Vorfreude fieberte man dem Zweiten entgegen, der alleine durch das Line Up noch imposanter wirkte, als der bereits Vergangene.

Der Samstag startete wettertechnisch etwa so, wie der Freitag. Leichte Wolken am Himmel, gelegentlich Sonnenstrahlen dazwischen und die Temperaturen ein wenig niedriger, als am Vortag, allerdings noch immer sehr angenehm. Es fiel allerdings direkt auf, dass in diesem Jahr viele Festivalbesucher nur eine Tageskarte erstanden hatten, denn viele Gesichter vom Freitag waren samstags nicht mehr anzutreffen – hauptsächlich die Fans des Dark Tenors blieben dem Gelände am Folgetag fern. Der Schlosshof wirkte dadurch allerdings nicht leerer, denn im Tausch kamen eine Menge Metaller und NDH’ler hinzu, die sich auf die Headliner des zweiten Festivaltags freuten.

Die frühe Uhrzeit schien auch niemanden gestört zu haben, denn pünktlich zum Beginn der Münsterländer Rocker Hemesath war der Burghof schon gut besucht. Wie einige andere Bands ließen es sich die Männer um Frontmann Christopher Zumbült nicht nehmen den Zuhörern Tracks von vergangenen Alben (Vater, Lauf und Hanibal) zu präsentieren, aber auch gleichzeitig die Vorfreude auf das kommende Album anzufachen. So performte das Quintett voller Leidenschaft auch Werke wie Bleib Bei Mir und Schmerz. Die neuen Songs zeigen wieder eine kleine Veränderung im Repertoire der Rocker, denn laut der Aussage des Gitarristen André Rasfeld wird das neue Album mehr in den Bereichen Prog-Rock einzuordnen sein. Gut eingeheizt freute man sich auf die folgende Band, die das bunte Programm absolut abrundete.

Mit Nox Interna wurde es düsterer, als bei den vorherigen Bands. Die Berliner Gothic Rocker boten ein spektakuläres Bühnenprogramm, bei dem Sänger Richy Nox ein Bild zerschnitt, sich lange Krallenhandschuhe überzog und sich seinen Texten absolut hingab. Ein absolutes Spektakel vom allerfeinsten, welches bei Werken wie Tomorrow Never Knows, The Seeds Of Disdain, Sons Of Silence und Kill Yourself And Be Reborn geboten wurde. Den krönenden Abschluss machte die eigene Interpretation des Lieds Entre Dos Tierras, bei welchem auch der letzte Zuhörer mitwippen, klatschen und singen musste. Zur Verabschiedung wurde das bereits zerschnittene Bild komplett zerstört und als kleines Bonbon in die Zuschauerreihen geworfen. Nach diesem, eher melancholischen, Auftritt gab es wieder deutschsprachige Musik auf die Ohren.

Die Newcomer Erdling betraten die Bühne. Die Band, die sich bereits mit Bands wie Megaherz auf der Bühne befand, durfte sich letztes Jahr zum ersten Mal auf dem M’era Luna vorstellen und überzeugte dort die Massen. Mit ihrem Mix aus Neuer deutschen Härte und klassischem Dark Rock überzeugte die Band um Frontmann Neill Devin von Anfang an die Menge und ließ keinen Zweifel offen, warum ihnen eine große Zukunft zugeschrieben wird. Sie spielten Lieder von ihren beiden bereits erschienenen Alben und luden mit Soldat, Angst, Absolutus Rex, sowie ihrem Debütsong Blitz Und Donner zum Headbangen und Mitgröhlen ein. Die Interaktionen mit dem Publikum rissen nie ab und so wurden die Zuhörer immer wieder aufgefordert sich an den Tracks zu beteiligen. Eine gelungene Performance, die lediglich dadurch geschmälert wurde, dass der Ton von Neills Mikrofon stellenweise zu leise war und man Textzeilen aufgrund dessen leider nicht verstehen konnte. Spätestens nach diesem Auftritt war auch der letzte Festivalbesucher aufgewacht, sodass der Weg für die folgende Band mehr als geebnet war.

Mit Vlad In Tears eroberte die nächste Berliner Band die Bühne. Sänger Kris Vlad stachelte auf Anhieb das Publikum an, die sich nicht zweimal bitten ließen und fleißig mit um die Wette sangen. Getrübt wurde der Auftritt durch einen größeren Schauer, der zeigte, dass Festivalbesucher auf alles vorbereitet sind. Kaum kamen die ersten, dickeren, Tropfen vom Himmel, waren unzählige Regenschirme aufgespannt und Capes übergeworfen. Die Band selbst ließ sich von dem Drumherum überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und schmetterte einen Song nach dem Anderen. In ihrer Setlist befanden sich Werke quer durch die Bandgeschichte. Aus vollem Repertoire zauberten die Gothic Rocker Songs hervor wie Over Again, Mary, Blame Yourself, Fade Away und Wicked Game. Alle Songs wurden, gerade von der eingefleischten Fangemeinde, voller Inbrunst mitgesungen und gefeiert, sodass, trotz Regen, Vlad In Tears mit einem Grinsen auf dem Gesicht von der Bühne gehen konnte, um der ersten Band mit Frauen- und Männerstimme eben Diese zu überlassen.

Mit Aeverium wurde es dann noch ein Stück härter. Der charismatische und sympathische Frontmann Marcel „Chubby“ Roemer eroberte – im wahrsten Sinne des Wortes – die Bühne und feuerte seine tiefe Stimme auf die Zuhörer ab. Ihm zur Seite stand die bezaubernde Aeva Maurelle, die mit dem männlichen Partner eine perfekte gesangliche Symbiose erschuf. Zwischen den harten Gitarrenriffs und dem tiefen Rawlen bekam die weiche und sanfte weibliche Stimme einen speziellen Part, der einen fesselte. Dass man sich selbst nicht unbedingt immer zu ernst nehmen muss, zeigte Chubby, als er das Publikum aufforderte mit ihm „Frühsport“ zu machen und dabei auf seinen Wohlstandsbauch zeigte und sagte „ja auch ich mache mit“. Nach kurzem Lachen folgte der Großteil der Meute auch dem Beispiel des Sängers und machte bei der Morgengymnastik mit. Sie spielten sich souverän durch ihre Setlist und brachten Songs wie What About Me, The Otherside, Hunted und Time. Sie wollten die Bühne nach ihrem Abschlusssong Heaven’s Burning schon verlassen, als von Michael Bohnes die Zusage für eine Zugabe kam. Völlig überrascht einigte man sich kurzfristig auf eine Coverversion des Tracks Paparazzi von Lady Gaga, bei dem das Publikum sich nicht lumpen ließ und lautstark mitsang. Ein sehr gelungener Auftritt, den es nun von der dritten Berliner Band zu toppen galt.

Plakate von Panzern auf der Bühne, die Sirene für Fliegeralarm aufgebaut und alles in Nebel gehüllt zeigte, auf wen man sich nun freuen durfte. Die „Rüpelrocker“ von Ost+Front betraten nach und nach die Bühne. Allen voran EVA Edelweiß, die das Publikum zu lautem Applaus anstachelte. Kaum betrat Frontmann Patrick Lange a.k.a. Herrmann in seinem blutverschmierten Outfit die Bühne legten die NDH’ler auch schon los. Mit Fiesta De Sexo startete ein Spektakel der Extraklasse. Leider muss hier gesagt werden, dass das Mikrofon von EVA Edelweiß nicht richtig eingestellt gewesen zu sein schien, denn bei dem Song konnte man ihren Gesang überhaupt nicht vernehmen. Weiter ging es mit ihrer Reise durch die bereits veröffentlichten Alben mit Fleisch, Liebeslied, Denkelied, Bruderherz und Mensch. Während des gesamten Auftritts machten zwei riesige Ballons, gefüllt mit Himbeersirup, die Runde über die Köpfe der Zuschauer. Eine kleine alkoholische Verkostung, die ganz in Ost+Front-Manier über einen Tropf verabreicht wurde, gab es bei dem Song Feuerwasser und als Zugabe wurde der Kultsong Bitte Schlag Mich performed, bei dem es kaum noch jemanden gab, der ruhig in der Menge stand. Genauso militärisch, wie sie auf die Bühne gekommen waren, verabschiedeten sie sich lautlos auch wieder und machten den Weg frei für den ersten Headliner dieses Abends.

Seit 1991 touren die Gothic Metaller von Crematory bereits quer durch die Lande. Bei vielen, die sich dieses Jahr auf das Festival verirrten, gehört diese Band zu den prägenden Anfängen ihrer musikalischen Stilfindung. Ganz im Stile trank Frontmann Felix sein Getränk auch nicht aus einer Flasche, oder einem Glas, sondern aus einem Benzinkanister. Die Westhofener sorgten auf Anhieb für kollektives Headbangen und Springen. Ein Jugendtraum von einigen Besuchern ging in Erfüllung, als die ganzen Tracks von früher gespielt wurden. Unter anderem bei Tears Of Time sang ein Großteil des Publikums mit und feierte gemeinsam mit den Metallern das Erscheinen beim Castle Rock. Die Drohung von Michael Bohnes schien auch die Richtige gewesen zu sein, denn der Hausherr drohte damit Crematory nie wieder einzuladen, sollte es wieder anfangen zu regnen. Sehr freudig und witzig wurde dieser Sarkasmus zwischendurch gern aufgenommen, um zwischen den hartgespielten Songs für den einen oder anderen Lacher zu sorgen. Der Auftritt war ein voller Erfolg, sowohl bei eingefleischten Fans, wie auch bei „Neu-Fans“ und Sympathisanten. Die nun schon fast kochende Menge im Zuschauerraum bedankte sich in Form von überwältigendem Applaus bei den Mannen aus Westhofen, als Diese ihr Set abgeschlossen hatten, und freute sich auf den Headliner des Abends. Der Bühnenumbau ging relativ schnell von statten – wie schon bei allen vorherigen Umbauten. Hier schon einmal einen großen Respekt an die Crew hinter den Kulissen.

Alles war vorbereitet für die portugiesischen Dark Metaller, die dieses Jahr das Festival beenden durften. Mit Moonspell holte Michael Bohnes den zweiten Klassiker, nach Crematory, nach Mülheim. Angefangen unter dem Namen Morbid God bereist die Band um Sänger und Frontmann Fernando Ribeiro seit 1989 die Welt und konnte sich über die Jahre hinweg fest in der Metal-Szene etablieren. Dementsprechend hoch waren die Erwartungshaltung und die Vorfreude auf dieses Urgestein der Musik. Schon beim Intro und dem Einlauf der einzelnen Musiker tobte die Menge, pfiff und klatschte Beifall. Die ersten Töne erklangen und ein kollektives Kopfnicken erfüllte den noch immer gut besuchten Schlosshof. Fernando zog alle Register und ließ seine gewaltige, sowie raue Stimme erklingen. Einen Klassiker nach dem Anderen feuerte er in die Menge und ließ die Fans auf Wolke Sieben schweben. Neben Opium, Ruin und Raven feierten die Portugiesen in Kooperation des Publikums zu Mephisto, Poisoned Gift und Fullmoon. Über 1 ½ Stunden durften die eingefleischten Fans ihre Kindheits- und Jugendidole feiern. Selbst zu drei Zugaben musste die Band nicht lang überredet werden und somit konnte sich die Menge noch über Wolfshade, Alma und ihren absoluten Klassiker Vampiria freuen, bevor sich die Band verabschiedete und das Castle Rock Festival 2017 beendete.

Die 18. Ausgabe des Castle Rock Festivals überzeugte in vollen Zügen. Ein riesen Dank gilt Michael Bohnes und seiner Crew für die großartige organisatorische Leistung und den reibungslosen Ablauf. Die Zusammenstellung des Line-Ups wirkte gut durchdacht und brachte eine schön ausgebaute Vielfalt an Musik mit sich, sodass jeder Besucher auf seine Kosten gekommen sein dürfte. Das Essen war, wie immer, hervorragend, die Wartezeiten hielten sich sowohl beim Essen, wie auch an den Getränkeständen, absolut im Rahmen und die Preise waren, trotz der leichten Erhöhung, immer noch vollkommen in Ordnung.

Der Sound war meines Erachtens dieses Jahr noch ein Stück weit besser, als im Vorherigen. Selbst Bands, die normal nicht zu meinen Lieblingen gehören, wurden durch die Abmischung interessant an diesem Wochenende und kein Künstler sorgte dafür, dass ich bei mir dachte „ich glaube ich geh mal vom Gelände, bis die fertig sind“. Die einzige Enttäuschung für mich, so Leid es mir tut, stellte Moonspell dar. Zwar kannte ich die Band im Vorfeld selbst nur durch ausgewählte Songs via YouTube, jedoch empfand ich die Live-Performance stellenweise sehr irritierend und einige Songs wurden selbst durch langjährige Fans nicht auf Anhieb erkannt. DARKHAUS allerdings war dieses Jahr um Längen stärker und besser, als im Vorjahr und ich fragte mich ernsthaft kurzzeitig, ob die gleiche Band wie 2016 dort auf der Bühne steht.

Positiv hervorheben möchte ich unbedingt, dass sich keine Band lumpen ließ und nach den Auftritten lange Zeit für Fragen, Autogramme und gemeinsame Fotos an den Merch-Ständen zu Verfügung stand, oder sich unter die Besucher des Festivals mischte und gemeinsam mit den Fans das ein oder andere Bierchen trank. So nah, wie im Schloss Broich beim Castle Rock, ist man „seiner Band“ selten, was das gesamte Event noch ein wenig familiärer werden lässt. Abschließend möchte ich ein Statement eines Festivalbesuchers verwenden, das ich zufällig aufschnappte, aber welches das Castle Rock perfekt umschreibt:

Das Castle Rock ist wie mein zweites Wohnzimmer. Es fühlt sich an, als käme ich nach Hause.

 

Text: Sebastian Degel
Fotos:
Holger Bär | AllDark-Foto
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30.06.-01.07.2017 18. Castle Rock Festival @ Schloss Broich Mühlheim/Ruhr