Live-Review: 14. Feuertal Festival | Wuppertal | 25.-26.08.2017

 Die Wuppertaler Hardt, einer der ältesten Stadtparks Deutschlands, war schon bei Ankunft in satte Sonnenstrahlen getaucht und die Temperaturen wurden dem spätsommerlichen Wochenende mehr als gerecht. Der Wetterbericht hatte allerdings durchwachsenes Wetter vorhergesagt, was viele Festivalgänger dazu veranlasste neben der Sonnencreme auch einen Regenschirm – oder einen Poncho – in den Rucksack zu packen. Es war also für jede Eventualität vorgesorgt. Am Eingangsbereich tümmelte sich bereits eine Vielfalt an mittelalterlich, sowie schwarz gekleideten Besuchern, die dem Einlass bereits entgegen fieberten. Die Parksituation rund um das Gelände war eher suboptimal, denn durch die geringe Anzahl an ausgewiesenen Parkplätzen, musste bei späterer Ankunft ein recht weiter und beschwerlicher Fußweg zurückgelegt werden. Der guten Laune tat diese Gegebenheit allerdings keinerlei Abriss.


Pünktlich um 13:00 Uhr wurden die Tore zum Mittelaltermarkt geöffnet, welcher einen mit wohltuenden Gerüchen von Hanf Fladen, Fleischspießen, Bier und Met begrüßte. Mehrere kleine Stände waren aneinandergereiht, bei denen allerhand mittelalterlicher Accessoires erstanden werden konnten. Neben den wohlbekannten Trinkhörnern konnten altertümliche Kleidung, Schmuck und allerhand Zubehör für eine perfekte Kluft zusammengesammelt werden. Gaukler und Spiele durften ebenfalls nicht fehlen, sodass man schon hier, obwohl der Markt selbst ziemlich klein gehalten war, Stunden verbringen konnte, bis man wirklich alles gesehen hatte.

Die Merchstände der angepriesenen Bands waren bereits eingerichtet und auch ein Stand mit Musik für zu Hause erwartete freudig die ersten Gäste. Da die musikalische Untermauerung erst um 14:00 Uhr anfing, blieb genug Zeit, um das Festivalgelände zu erkundschaften, sich die erste Grundlage in Form von Essen einzuverleiben und sich mit Getränken einzudecken. Die Preise waren für ein Festival vollkommen in Ordnung. Für einen Fleischspieß, welcher seinem Namen wirklich gerecht wurde, wurden 5€ verlangt, für einen Met mussten 4€ (inkl. 1€ Pfand) hingelegt werden und auch ein Bier lag in diesem Preisspektrum. Kurz vor Beginn der Musik versammelten sich die Ersten vor der Bühne, die schön eingebettet in einem Steinbruch liegt. Hier muss explizit herausgestellt werden, dass sich eine der schönsten Open Air Locations zeigte, die ich bislang besuchte. Durch den stufenweise angebauten Zuschauerraum vor der Bühne konnte man von jeder Position alles sehen, was auf der Bühne geschah, ohne sich dabei gegenseitig auf den Füßen zu stehen. Ein Stück weit erinnert die Festivalbühne an ein altes Kolosseum, in dem Gladiatorenkämpfe ausgetragen wurden – ein wirklich schönes und mystisches Bild.

Um 14:00 betrat der Moderator Eric Fish von Subway to Sally die Bühne, spielte die Feuertal-Hymne an und kündigte die erste Band des Tages an. Der Innenraum des Konzertbereichs war, trotz der Uhrzeit, bereits gut gefüllt und wiegte sich mit den beruhigenden Klängen des Openers Mila Mar. Sängerin Anke Hachfeld bezauberte nicht alleine mit ihrer Stimme, sondern präsentierte sich in einem langen, schwarzen Samtkleid, welches perfekt zum Anmut passte und ihrer Erscheinung das gewisse Etwas verlieh. Leichtfüßig bewegte sie sich zu Songs wie Follow me, Fliedermoos, Häd und Asche über die Bühne. Die Bässe drangen dazu durch den Körper und die Klänge der Geige, sowie jene des Keyboards gingen durch Mark und Bein. Leider konnten viele Hörer mit der Musik anscheinend nicht viel anfangen, denn die immer wiederkehrenden Anfeuerungen der Band gingen mehr oder minder unter, das Publikum wollte sich nicht so recht mitreißen lassen. An dieser Situation merkte man eindeutig die lange Bühnenerfahrung, die Mila Mar mit sich bringt. Newcomer hätten sich in dieser Situation vielleicht entmutigen lassen, doch Anke spielte ihren Streifen professionell zu Ende und hatte sogar noch Zeit für eine kleine Zugabe. Mit dem Song Sand verabschiedete sich die Band von der Bühne und machte Platz für eine längere Pause, denn leider musste einen Tag vor dem Festival das Urgestein Lacrimas Profundere aus personellen Gründen absagen und einen Ersatz bekam man so schnell nicht auf die Beine.

Den Ausfall kompensierten die Organisatoren jedoch selbst sehr professionell, denn man gab den anderen Bands einfach etwas mehr Spielzeit, was die angereisten Fans natürlich überaus freute. Die angeordnete Zwangspause wurde von den meisten Festivalgängern genutzt, um sich flüssigen Nachschub zu organisieren, die Merchstände zu plündern, oder die letzten Bekannten zu begrüßen, die man bislang nicht gesehen hatte. Im Hintergrund waren die sanften Klänge von Evanescence zu vernehmen, welche von CD abgespielt wurden und für einen musikalischen Hintergrund bei Gesprächen sorgten. Nach der ruhigeren Eingewöhnung durch Mila Mar wurde es nun lauter und fröhlicher.

En Garde hieß es mit der nächsten Band und den damit verbundenen Recken aus Nürnberg. d’Artagnan betrat im altbekannten Frack die Bühne und heizte dem Publikum auf Anhieb ein. Obwohl die Musiker sich erst 2015 gefunden haben, können sie dennoch bereits eine ansehnliche Fangemeinde hinter sich verbuchen, die jeden Song mitfeierten und lauthals mitsangen. Der Aussage des Sängers Ben Metzner „Wir sind einfach nur wir und würden uns ungerne in eine bestimmte Schublade stecken lassen.“ verleiten die Mannen um ihren Frontmann Nachdruck, denn sie spielten sich quer durch die Palette aus Folk, Seemannsmusik und auch ihrem „verhassten“ Schlagerimage wurden sie mit dem Song Musketier durchaus gerecht. Neben diesem Werk präsentierten die Nürnberger Tracks, wie Seit an Seit, Jubel, Bis zum letzten Atemzug und Meine Liebste Jolie. Die Stimmung in der Menge war grandios und somit war alles angerichtet für den dritten Act des Tages.

Mit Lord of the Lost wurde die musikalische Vielfalt des Tages komplementiert. Das Intro des neusten Albums Empyrean empfing alle angereisten Fans von nah und fern, Frontmann Chris Harms begrüßte die feiernde Meute mit Drag me to Hell, was sofortiges Headbangen, sowie Mitsingen zur Folge hatte. Wie gewohnt standen die Hamburger in ausgefallenen Outfits auf der Bühne und performten in wohlbekanntem Stil zu Songs wie Miss Machine, No Gods, No War und Six Feet Underground. Lord of the Lost wären aber nicht sie selbst, wenn nicht ein wenig Klamauk das sonst recht harte Set durchbrechen würde. Neben Einspielern wie Final Countdown, La Bomba und weiterem Quatsch durfte der Gastschlagzeuger Niklas Kahl (Erdling) sein Können unter Beweis stellen und startete ein Drumsolo vom Allerfeinsten. Ein über eine Stunde langes Set wurde mit der einen oder anderen Zugabe perfektioniert, bevor sich die Männer mit dem Finalsong Raining Stars verabschiedeten und die Bühne für den Headliner des ersten Tages frei machten.

Eric Fish betrat erneut mit seiner Gitarre die Bühne und spielte einen sehr ergreifenden Song als Ankündigung für Fiddler’s Green. Die deutsche Folk-Rock Band, die seit nun 27 Jahren durch die Lande touren, schmetterten dem Publikum ihren Irish-Folk nur so entgegen und sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Frontmann Ralf Albers weiß die Menge immer wieder zu bezirzen und zum Mitmachen zu animieren, was er bei diesem Auftritt einmal wieder unter Beweis stellte. Die Männer aus Erlangen spielten quer durch ihr Repertoire, ließen sich nicht lumpen und gaben noch diverse Zugaben bevor der erste Tag pünktlich um 22:00 Uhr zu Ende ging. Highlight bei den Fiddlers war eindeutig die „Tittencam“, über die noch am folgenden Tag gesprochen wurde und welche für kollektive Begeisterung und Erheiterung sorgte.

Wer an diesem Abend noch nicht genug hatte, den lud das Underground Wuppertal zu einer grandiosen Aftershow-Party ein, bei der alle Festivalbesucher freien Eintritt hatten. Mit vielen gewonnenen Impressionen endete der erste Tag, der Appetit auf mehr machte, führte man sich vor Augen, wer sich für den zweiten Tag angekündigt hatte.

Auch am Samstag, den 26.08.2017 öffneten die Tore sehr pünktlich. Der zeitliche Ablauf der einzelnen Programmpunkte lief allgemein sehr reibungslos ab. Hier vorweg ein Kompliment an die Veranstalter und Organisatoren.

Kurz vor 14:00 Uhr durfte das altbekannte Gesicht von Eric Fish auf der Bühne begrüßt werden, der die Hymne allerdings diesmal auf den Abschluss des Festivals schob und sich damit begnügte die Rocker aus Österreich anzukündigen, welche den zweiten Tag eröffnen sollten. Stoneman, die sich mit ihrem Album Goldmarie einen absoluten Namen in der deutschen Rockmusik machen konnten, eroberten die Stage und begrüßten Wuppertal mit Eiskalt. Die Stimmung war hier schon ausgelassener als am Vortag, was sich durch die verschiedenen Acts hindurch nur bestätigen sollte. Mikki Chixx, Frontmann der Österreicher, führte durch die letzten beiden erschienenen Alben Goldmarie und Steine und lud mit Werken wie An die Geräte, Mord ist Kunst, Liebe Liebe und Lolita zum Tanzen ein. Die Weichen für einen hervorragenden Tag waren mehr als gestellt. Die Sonne lachte noch immer vom Himmel, der Met floss und die Menge feierte ausgelassen. Mit ihrem Gute-Laune Lied Freundlich sein verabschiedete sich Stoneman von der Bühne und machte Platz für mittelalterliche Musik.

Es folgte eine recht kurze Umbaupause, wie nach jedem Act, in der sich die Besucher erneut mit Getränken und Essen eindeckten, bevor die nächste Band angekündigt wurde. Mit Ignis Fatuu, enterten wahre Urgesteine die Bühne, denn bereits 2004 gründete sich die Truppe in Nürnberg. Mit im Gepäck hatten die Recken ihr neues Album Meisterstich und eine kleine Reise durch ihre musikalische Geschichte. Ausgelassenes Tanzen und Klatschen konnte bei Werken wie Reiter, Blut geleckt, Nemesis und Mit dem Wind beobachtet werden – ein familiäres Zusammentreffen von Gleichgesinnten, was auch den Flair dieses Festivals ausmacht. Auch auf der Bühne war Party durch und durch angesagt. Vom Reigen, bis zu Dudelsacksolo wurde alles aufgeboten, um den Festivalbesuchern einen unvergesslichen Auftritt zu bieten – und es wurde ein sehr starker Auftritt!

Anschließend gab sich niemand geringeres als Mono Inc. die Ehre und performte einen starken Mix aus ihren Klassikern, sowie Stücken von ihrer neuen Platte. Frontmann Martin Engler präsentierte sich kraftvoll wie immer und animierte das Publikum zum lauten Mitsingen und Feiern zu Tracks wie Voices of Doom, Gothic Queen und dem Song Children of the Dark – welcher auch bereits als Hymne für das M’era Luna verwendet wurde. Die Menge durchlebte ein Wechselbad der Gefühle bei diesem Mix aus kraftvollen Werken und Jenen, die man daheim zum Träumen und Entspannen abspielen würde.

Wer Mono Inc. kennt, der weiß, dass Martin Engler immer für eine Überraschung gut ist und so wurde kurzer Hand sein alter Freund MajorVoice angekündigt, der die Besucher mit seiner erstklassigen Tenorstimme verzauberte. Die Menge war derart begeistert, dass die Rufe nach einer Zugabe laut wurden, welche selbstverständlich daraufhin folgte. Die veranschlagte Zeit verging wie im Flug und ehe man sich versah war der Auftritt beendet und der Bühnenumbau für den Headliner des Abends begann.

Mit den Folk-Rockern von Schandmaul sollte der letzte Abend des Festivals ausklingen. Die Spielleute aus dem Süden ließen sich, wie bei jedem Auftritt, nicht lumpen und rissen ein wahres Feuerwerk vom Stapel. Sänger Thomas Lindner kündigte ein Meisterwerk nach dem Nächsten an, die Band tanzte und spielte sich in absolute Extase und das Publikum feierte jeden Ton, jede dargebotene Spielerei und jeden Spaß, der von der Bühne kam. Mit in ihrem Gepäck hatte die Band Songs wie Herren der Winde, Bunt und nicht braun, König, Kaspar, Drachentöter und Walpurgisnacht. Jeder angespielte Track wurde vom Publikum mit tosendem Applaus und Gesang gewürdigt. Als Höhepunkte des Auftritts ist eindeutig das Duett mit Eric Fish zu nennen. Kurz vor Abschluss des Konzertabends lobte Thomas Lindner dann die Organisatoren und Veranstalter für dies grandiose Festival und dankte für die Einladung auf dem Feuertal spielen zu dürfen. Wie bereits bei Mono Inc. verging die Zeit viel zu schnell. Nicht zuletzt, weil man gerade bei Schandmaul unheimlich viele schöne Menschen vor der Bühne antraf, die im Kollektiv und absolut familiär miteinander feierten. Kurzerhand wurden die kleineren Ladies auf die Schultern gehoben, die Kinder ganz nach vorne durchgelassen, man hakte sich zum Tanzen ein und lachte gemeinsam bei den Späßen, die auf der Bühne gemacht wurden. Die Band verabschiedete sich mit dem Lied Dein Anblick, welches auch nach Beendigung noch über zwei Minuten vom Publikum weitergesungen wurde. Im Lichte der untergehenden Sonne, bei lauwarmen Temperaturen, ein gebührender Abschluss des Feuertal Festivals 2017.

Das Feuertal Festival ist für klein und groß, jung und alt – eigentlich für Jedermann ein absolutes Muss. Der buntschwarze Mix durch die Genres der „schwarzen“ Musik ist perfekt aufeinander abgestimmt, sodass jeder Besucher auf seine Kosten kommt. Die Preise für Speis und Trank sind absolut im Rahmen und es wird genug Abwechslung geboten, sodass niemand hungern, oder unter Durst leiden muss. Die Bühne ist einfach atemberaubend und kaum in Worte zu fassen. Durch den Steinbruch, in welchen sie eingelassen ist, wird der Sound optimal in den Zuschauerbereich transportiert und bietet gleichzeitig ein sehr schönes Bild für die Augen. Die Menschen, die dort angetroffen werden, leben das familiäre Festival in außerordentlichem Maße und sind für mich auf eine Stufe mit denen auf dem Castle Rock Festival zu setzen. Bislang sind die beiden Festivals jene, bei denen Familie besonders groß geschrieben wird. Alles in allem ein durchaus sehr gelungenes Festival, welches ich auch weiterhin gerne besuchen werde.

 

Text: Sebastian Degel
Fotos: Holger Bär | AllDark-Foto, mehr in unserer Galerie
25.-26.08.2017 14. Feuertal Festival @ Hardt Wuppertal