Krankheit – „Zerberus“

Krankheit befreit den Zerberus!


In der Mythologie ist der Zerberus schon lange ein Begriff, denn der Hüter des Eingangs zur Unterwelt hat schon so einige Helden der Antike vor schwierige Aufgaben gestellt. Der dreiköpfige Hund sorgt dafür, dass Lebende nicht in die Unterwelt gelangen und Tote nicht entfliehen können. Die verschiedenen Sagen berichten von Speichel, der zu giftigen Blumen (Eisenhut) wurde, oder dem Gift Akóniton, mit dem Medea versucht haben soll, Theseus zu töten. Hades stolzes Haustier, welches nur mit Honig zu bestechen/betäuben war, hat allem Anschein nach allerdings einen neuen Meister, denn das Trio von Krankheit meldet sich aus der Unterwelt zurück und hat diese riesige Bestie im Schlepptau. Frontmann Christian Präauer prophezeite bereits, den Zerberus am 25.05.2018 zu entfesseln und auf die Nation loszulassen. Die Dark Metaler aus Österreich veröffentlichen mit dieser 9 Lieder starken CD ihren dritten Silberling, welchen sie auf der kommenden Supporttour mit Nachtblut, auf deren Apostasie Tour 2, sicherlich live performen werden.

 


Ein pompöses Intro, inszeniert durch einen Chor, leitet die Reise in die Abgründe der Gedankenwelt des Zerberus ein. Der erste Track ist auch gleichzeitig der Namensgeber des Albums und ein Song, der eigentlich schon viel früher hätte erscheinen müssen. Die Vorstellung der Bandmitglieder, anhand der dreiköpfigen Bestie, ist metaphorisch kaum noch zu übertreffen. Auch musikalisch wird der Hörer bei diesem Werk, in typischer Krankheit-Manier, absolut verwöhnt. Mit dem Refrain „Auge um Auge, Zahn um Zahn, der Höllenhund schreitet voran“ gibt Christian direkt die Marschrichtung für die nächsten 32 Minuten vor.

Mit dem zweiten Song „Kalte Liebe“ bedient sich das Trio, wie schon bei ihrem Debutalbum mehrfach geschehen, einem alten klassischen Titel. Ob W.A. Mozart, als er damals Dies Irae komponierte, damit rechnen konnte, dass es einmal eine Band geben wird, die aus diesem Werk ein Lied über eine ungewöhnliche Liebe machen würde, wage ich zu bezweifeln. Allerdings hat Krankheit es hier ziemlich beeindruckend bewerkstelligt und die zarten Orchesterklänge mit düsterem Metal überlagert.

Mit düsterem Metal und einem düsteren Thema geht es auch bei „System“ weiter. Die Österreicher greifen die Thematik des „Gewöhnens“ auf, denn da die Menschheit das komplette Leben geleitet wird, hört sie auf, eigenständig zu Denken und folgt nur noch Strukturen, die bereits gegeben sind – und dabei kommt es nicht darauf an, ob diese richtig oder falsch sind.
Hier möchte ich kurz mit der Rezension innehalten. Ich habe mir das Lied mehrfach angehört und bei jedem Mal Anhören bin ich für mich mehr in Gedanken gesunken und habe über diese Problematik nachgedacht. Ich möchte zukünftigen Hörern dieses Songs das Gleiche ans Herz legen. Krankheit hat hier ein Lied geschrieben, das wirklich außergewöhnlich gut ist!

Aber zurück zur CD, die natürlich noch weitaus mehr zu bieten hat.
Der folgende Track „Eis und Blut“ zum Beispiel kommt in einem eher rockigen Gewand daher. Die Gitarrenriffs sind etwas softer, passen allerdings gut ins Gesamtbild. Anders, als bei „System„, besteht hier Interpretationsspielraum in mehrere Richtungen und jedem selbst überlassen. Bei Live-Auftritten dürfte dieser Song zu gewaltigem Mitschreien animieren.

In ähnlichem musikalischem Gewand präsentiert sich auch „Papa’s Messer„. Ich denke, dass der Überbegriff „Familie“ als Thema ausreichend ist. Allerdings muss gesagt sein, dass der Track wahrscheinlich live besser herüber kommt, als es bei der CD der Fall ist.

Es folgt die einzige Ballade der Scheibe, für die erneut ein klassisches Werk eine weltbekannten Künstlers herhalten durfte. „Winter des Lebens„, basierend auf der 7. Symphonie von Ludwig von Beethoven, wird von Frontmann Christian als „das persönlichste Lied“ beschrieben und ohne weitere Hintergrundinformationen über ihn zu haben, kann ich dies verstehen. Eine getroffene Umschreibung für das Leben, in dem es immer bergauf und bergab geht. Der Wandel im Leben, den jeder durchmachen muss, Freunde die man kennenlernt und irgendwann wieder gehen lassen muss, Glücksmomente, die man erlebt, bevor einen die harte Realität wieder auf den Boden der Tatsachen bringt – all dies sind Punkte, die man in diesem 3-minütigen Werk angesprochen werden und die zum Nachdenken anregen – Nachdenken, über das, was einem wichtig erscheint und was wirklich wichtig sein sollte!


Dass die Band nicht für Schnulze steht, ist bekannt und somit soll es nach dem kurzen Gefühlsausbruch auch wieder sachlich und hart ans Werk gehen. Mit „Terrorarie“ setzt Krankheit ihren bisherigen Provokationen ein wenig die Krone auf. Wer sich in der klassischen Musik allgemein ein wenig auskennt – und Mozarts Zauberflöte ein wenig besser kennt – dem dürfte die Arie der Königin der Nacht sehr bekannt sein. Eben diese Melodie wird hier verwendet, um einen Text über Terror und Irrglauben der Religionen ein wenig Nachdruck zu verleihen.

Mit dem vorletzten Werk „Gevatter Tod“ widmet die Band dem Tod mehr oder weniger seinen Respekt. Während alles unfair ist auf dieser Welt ist, überall nach Hautfarbe, Geschlecht, Vermögen etc. geschaut wird, macht der schwarze Engel keinen Unterschied und behandelt alle gleich. Musikalisch ist es wieder eher dem Dark Metal zuzuordnen.

Abschließend, wie beim Gebet, wird das Album mit „Amen“ beendet. Erneut auf Grundlage eines klassischen Werks von Mozart (Lacrimosa) präsentiert sich dieses Lied als eines der Düstersten des Albums, ansonsten allerdings recht gewöhnlich.


Fazit:


Mit Zerberus hat Krankheit ein wirklich gutes Album auf den Weg gebracht. Anders, als ich es momentan bei vielen Bands beobachten muss, bleiben sie bei ihren Leisten und versuchen sich nicht groß an Neuem.

Das soll aber nicht heißen, dass es langweilig wird: Christian wächst besonders sprachlich und kommt mittlerweile weg von typischen Floskeln. Die Symbiose zwischen Klassik und Metal hat die Band bereits beim Debutalbum für sich gefunden und darf dies auch gerne weiter fabrizieren. Auch der Wechsel zwischen „Krankheit-alt“ und „Krankheit-neu“ ist sehr gut gelungen. Die reinen Dark Metal und NDH Elemente sind nicht mehr speziell heraus zu kristallisieren, sondern verschmelzen zu ordentlicher Musik.


Alleine die Anzahl der Lieder bei diesem Werk ist sehr gering. Wenn die CD nach 32 Minuten wieder aus der Anlage ausgespuckt wird, ist man gerade erst richtig im Groove angekommen. Das ist ein wenig Schade.


Auch Roy und Anton haben einen immensen Sprung nach vorne gemacht. Die verschiedenen Genres, die bei Krankheit stellenweise sogar innerhalb eines Lieds gewechselt werden, oder Elemente in andere Genres implementiert, werden wie selbstverständlich heruntergespielt. Die Freude auf die Live-Shows weckt die Platte auf jeden Fall.


Wie ich bereits im Verlauf der Rezension allerdings auch schon erwähnte: Wer nun ein brachiales Feuerwerk, wie bei Saat des Bösen, erwartet, der wird garantiert enttäuscht sein. Für Alle, die auf die Wortspielerei von Christian abfahren, die Klassikelemente bei den Songs ebenso feiern wie ich und auf absolute „Breaks“ und Provokationen stehen, wird diese Scheibe zu einem absoluten Must-Have.


Tourtermine:


Krankheit wird 2018 KEINE eigene Headliner Tour zu dem Album machen.

Für 2019 steht wohl schon eine kleine Planung an, mehr wollte sich Krankheit allerdings nicht in die Karten schauen lassen.
Dies soll aber nicht heißen, dass sie live nicht zu bewundern sein werden. Krankheit wird Nachtblut bei der Apostasie Tour weiterhin begleiten und somit an folgenden Terminen zu sehen sein:


03.05.2018 Hannover LUX
04.05.2018 Lübeck Riders Cafe & Riders Classic
05.05.2018 Weinheim Café Central
09.05.2018 Arnhem (NL) Willemeen
10.05.2018 Köln Jungle Club
11.05.2018 Losheim Eisenbahnhalle
12.05.2018 Erfurt Clum from Hell
25.05..2018 Osnabrück Rosenhof

 

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