Empire of Giants – ICEOLATION (Review)

Zwei Jahre ist es nun her, dass „Empire of Giants“ aus Berlin ihre erste EP, „A New Colour“ (2017) veröffentlichten und den, mehr als soliden, Grundstein für ihren musikalischen Weg legten.
Am 24.05.19 ist es soweit, dass sich „Empire of Giants“ mit ihrem ersten Album „Iceolation“ auf einen Eroberungszug, bestehend aus 12 Songs, in die musikalischen Gebiete des kalten, eisigen Nordens begeben.
Da lassen wir es uns doch nicht nehmen, das Ganze einmal unter der musikalische Lupe zu betrachten.

Final Call“ eröffnet das Album mit einem kalten Wind, gefolgt von einer melancholischen Gitarrenmelodie, um kurz darauf von der Energie, der definierten Screams von Frontmann Sebastian Giemsch, erfüllt zu werden. Frontfrau Kira Albers lässt sich nicht lange bitten und bringt zum Chorus hin ihre eigene Note, mit ihrer seichten und doch kraftvollen Stimme, mit in den Gesamtklang des Songs ein. Begleitet werden sie von rythmisch anspruchsvollen Gitarrenriffs und einem massiven Zusammenspiel aus Bass und Drums.

Kurz gesagt: Ein kaltes, energetisches Gewitter, um die Stimmung des kalten Winters zu verdeutlichen. Ein klasse Opener, der Lust auf Mehr macht!

Nicht weniger gewaltig geht es mit „Cut My Roots“ weiter, welcher gleich zu Anfang ein groovendes Gitarrenriff, begleitet von Sebastians Screams, entfesselt. Auch wird man hier von einem interessanten „Ping-Pong-Spiel“ zwischen Kira und Sebastian überrascht, welches in einen schnellen, mitreißenden Chorus mündet.

Wer ein richtiges Metalbrett, mit harmonischen Zwischenspielen und einem gewaltigen Breakdown sucht, wird hier seine Freude haben.

Weiter geht es mit „Surface“, welcher wieder von einem Mix aus harmonischem Instrumental, aggressiven Screams und einer einprägsämen Gesangsmelodie eröffnet wird. Der Chorus wirkt fast schon tragisch und verleiht dem Song tiefgang.
Hier wird die Stärke von „Empire of Giants“ deutlich, den schmalen Grat zwischen harten Metal-Elementen und durchdachter, mitreißender Emotion zu finden und voll zu nutzen.

Einer der, für mich, schönsten Songs, dieses Albums führt die Reise fort. „Blinded“ erfüllt den Raum mit seinen ruhigen Tonfolgen, um zwischendurch wieder von energetischen, harten Phrasen unterbrochen zu werden. Gerade der Chorus aber setzt wieder in seiner Gänze auf eine gewaltige Wand aus kraftvollem Gesang und komplexen Akkorden, die für das musikalische Können der Band sprechen.

Es folgt der namensgebende Song des Albums, „Iceolation“. Dieser wird durch eine schnelle, rythmische Passage eröffnet, der in einen ruhigen Vers mit marschartigem Rhythmus mündet.

Vor dem Chorus wir noch einmal der Spannungsbogen angezogen, um dann schlussendlich ein beeindruckendes Zusammenspiel aus melodischen Leadgitarren, präzisen Rythmen und einer mitreißenden Gesangsmelodie zu entfesseln.

Ein durchweg starker Song, den ich gerne mal live hören würde!

Aurora Borealis I“, der erste Teil aus einem zweiteiligen Song, der diesem Album innewohnt und ungewohnt ruhig, fast wie eine Ballade, beginnt. Komplett getragen durch Kiras sanfte Stimme, zeigt dieser Song eine ganz andere Seite der Band, die die melodiösen Segmente, die sich auch in anderen Songs finden, einfach mal ausreizt.

Als Resultat bekommt hier einen, schlichtweg gesagt, sehr schönen und meditativen Song vorgesetzt, der für mich sehr der klanglichen Verwirklichung der Nordlichter wiederspiegelt.

Days of Mayhem“ bietet nun den vollen kraftvollen Kontrast zu der vorherigen Ruhe und dreht wieder zu gewohnter Härte auf. Bemerkenswert finde ich hier wieder die Komposition an sich. Der Song kennt nur eine Richtung: Vorwärts. Ein Song der, meines Erachtens, geradezu zu einem Circle-Pit oder zumindest zu ziemlich intensivem Headbangen einlädt. Im Hintergrund des Chorus erwischt man immer mal wieder leichte Klavierakzente, die dem Sound ein gewisses „organisches“ Element verleihen und der kraftvollen Härte dieses Songs sanfte Obertöne verleihen

Es folgt der wahrscheinlich härteste dieses Albums und auch einer meiner persönlichen Favoriten dieses Albums, „Survive the Night“. Ein Metal-Brett feinster Art, dominiert von Sebastians Screams und Growls. Zwischendurch unterbrochen durch ein, von Synthesizern getragenes, Zwischenspiel, nur um dann wieder in ein aggressives Gewitter, aus präziser Gitarrenarbeit und energetischer Stimmarbeit zu münden.

Umgangssprachlich gesagt: Einfach Fett!

Homesick“ führt die vorige Energie fort und prescht gerade zu nach vorne. Gerade der vom Schlagzeug vorgegebene Shuffle-Rythmus verleiht diesem Song einen unglaubliche Schwung, der einfach mitreißt und geradezu einlädt, sich einfach von der Musik treiben zu lassen. Zudem bemerkenswert ist das Gitarrensolo, welches zum Ende hin eine „space-artige“ Note mit in den Song einbringt.

Definitiv ein absolut live-tauglicher Song.

Mit „My Promise“ folgt ein weiterer, balladen-artiger Song, getrieben von einer melancholischen, fast dramatischen Melodie. Kiras Stimme kommt hier besonders vor einem kurzen Instrumentalpart gut zur Geltung in dem Spannung und Tonhöhe stetig zunehmen. Der Refrain erweist sich als nicht weniger tragisch schön und erzeugt beim Hörer eine einfühlsame Stimmung.

Aurora Borealis II“ bietet den drastischen Kontrast zum ersten Teil dieses Zweiteilers. Man wird empfangen von einer düsteren, dramatisch gesprochenen Ansage, nur um danach in einen mächtigen, gescreamten Eissee aus Klang und Instrumentalgewalt geworfen zu werden.

Pure Energie

Es ist wieder soweit, der finale Song. „Born Anew“ eröffnet mit schnellen, akzentuierten Synthesizern, welche schnell von Kiras kräftiger und doch seichten Stimme begleitet werden. Das Tempo zieht an, Sebastian übernimmt den Gesang und reißt den Hörer, wie so meist, durch seine schiere Präsenz mit. Ein durchdachtes Zusammenspiel aller Bandmitglieder erzeugt einen treibenden, spanenden Song, der einen würdigen Abschluss für dieses Album darstellt.

Zeit, dieses Werk einmal zusammenfassen:

Empire of Giants veröffentlichen mit ihrem ersten Album „Iceolation“ ein hervorragendes Spektrum ihrer stärken und vermitteln mit ihrer Musik die Emotionen, oder vllt. eher Sinnbilder, die man dem Namen des Albums beimessen würde, wie z.B. die Kälte, die Einsamkeit oder die Gedanken der Isolation im Eis des kalten Nordens. „Iceolation“ erweist sich als stimmiges Werk, mit Tiefgang, sowohl in Musik, als auch Gesang.

Klare Empfehlung vom Gitarren-Nerd des Hauses!

Wer das Ganze auch live einmal erleben will,
kann sich folgende Termine vormerken:

04.05.19: Empire of Giants – Iceolation-Release Show @ Berlin, Slaughterhouse

06.12.19: Empire of Giants – Support bei der Show „10 Jahre Lord of the Lost“ @ Hamburg, Markthalle

Text: Sebastian Rack
Bildmaterial: Pressematerial