CD-Review: Spin My Fate – Tides

Es gibt unzählige Bands – fast schon so viele wie Sand am Meer – und jede dieser Bands versucht mit ihrem Markenzeichen die Charts ihres Genres herauf zu schießen. Aber was ist, wenn man eine Band nicht mittels Schubladendenken zuordnen kann, geschweige denn überhaupt nicht wie Sand am Meer betrachten kann? Was ist, wenn genau diese Unabhängigkeit von jeglichem Schubladendenken, das Markenzeichen einer Band ist? Hat man da überhaupt Aussichten auf Erfolg, wenn man nirgends genau reinpasst?

OH JA! Der absolute Beweis hierfür ist die Band Spin My Fate. Mit ihrem neuen, und somit 5. Album Tides, bringen die vier Jungs aus Münster um Sänger Jan Kattner ein Werk auf den Markt, welches all ihre Facetten, die sie auszeichnen, widerspiegelt. Von Rock bis Metal, vielerlei wird auf Tides ausprobiert, aber stets harmonierend mit ihren Lyrics. Aus eigener Kraft mit gering gehaltenen liquiden Mitteln und gemixt vom Mastermind Dennis Koehne (u.a. bekannt durch Lacuna Coil u.v.m.), powern die Münsteraner sich auf Tides so richtig aus. Das neue Album der Jungs kam bereits schon am 19.05.2017 heraus und zeigt schonungslos was sie beispielsweise von Politik und Co halten.

Lasst uns nun in die Welt von Spin My Fate abtauchen, um noch mehr von ihrem neuen Meisterwerk kennenzulernen…

Ganz klar ist, dass man zuerst auf die unverkennbare Stimme des Sängers Jan Kattner eingehen muss. Die Stimme ist schließlich das Ausschlaggebende, um den Songs ihre Seele zu verleihen und einen Wiedererkennungswert der Band zu erschaffen. Ihre unvergleichbare Musik verschafft ihren Worten dabei dann noch mehr Ausdruck.

Tides ist einer der insgesamt 13 Tracks, die sich auf dem gleichnamigen Album befinden. Genauso energiegeladen und nicht minder einzigartig für sich selbst ist das darauf folgende Lied This Ends Now. Schon zu Beginn, mit seinen ersten bestimmenden und energetischen Tönen, weist das Intro darauf hin, zu welchen Typ Lied dieser Track gehört. Zu jenem Typen, der eine klare Ansage samt Aufforderung in sich birgt: „this time you joking on your words, don’t try to hide you“. Eines der politisch kritischsten Lieder ist Devil’s Advocate. Es geht darum, dass uns das Leid, was uns durch tagtäglich aufgetischte Lügen serviert wird, total in einen komatösen Schlaf verfallen lässt: „Sorrow can be denied, spread lies to drill us all. The nation fall asleep – COMATOSE!“. Es wird aber auch deutlich, dass nur wir die Hoffnung sind und die einzigen, die diese Situation ändern können. Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, jetzt kommen Sie mal von ihrem Bürostuhl runter und gehen auf eines der Konzerte von Spin My Fate. Ich habe die Hoffnung, dass Sie auch noch dazu lernen könnten von einer unverblümten Version dessen, was sich u.a. hier abspielt. Und falls Ihnen das Englische doch nicht so vertraut ist, wie Sie den Anschein wahren, dann verweise ich auf das ausgesprochen gut gelungene Lyric-Video von Devil’s Advocate (meine Empfehlung). 

Ebenfalls zum ausgiebigen Anhören zu empfehlen ist der Song Fix Me, zu dem die fantastischen Vier von Spin My Fate im vergangenen Mai ein Musikvideo veröffentlichten. Um den eigenen Interpretationshorizont anzuregen, hier eine Phrase aus dem Song: „Fix me, I cry for help but you can’t hear me“. Also wem das nicht Nahe geht, tja… mehr davon gibt es unter anderem im offiziellen Musikvideo zu hören. In Slipping Away, der siebte Track ihrer Platte, zeigen sie sich etwas ruhiger. Hierbei ist ruhiger natürlich relativ anzusehen, spricht man schließlich über die Band Spin My Fate. Slipping Away ist die „Balladenummer“ auf Tides. Passend zu Balladen ein Thema, welches nicht nur oberflächlich ankratzt, sondern zu tiefgründigeren Gedanken verleiten lässt. Bei jedem Song, inklusive Slipping Away, bemerkt man wieder einmal, dass sich Spin My Fate nicht nur eines englischsprachigen 40-Wörter-Vokabular bedienen, sondern auch mehr als nur „I love you“ von sich geben können. Lobenswert und deshalb mein persönlicher Lieblingssong der Platte.

Ganz anders und dennoch „Spin My Fate-like“ sind Swim und Afterglow. Sie sind völlig ohne Text und leicht meditativ wirkend, obwohl bei Swim auch Gitarrenklänge zu hören sind. Quasi das „Calm Down“ zu den zuvor gehörten Songs. In gewisser Weise spiegelt es das Cover des Albums wieder, weil man sich zu diesem Sound in eine Schwerelosigkeit fallen lassen kann und die Gedanken einfach wegtreiben.

Fazit:

Tides ist energetisch, modern wie auch rockig zugleich und ein Schmuckstück in jedem Musikregal. Im Vergleich zu ihren früher erschienenen Alben ist Tides das berühmte Kirschlein auf der Sahne, welche nicht fehlen darf. Die Münsteraner zeigen auf diesem Album noch einmal mehr wer sie sind, was sie stört und was ihre Aufforderung an die Welt ist. Schwere rockige Sounds, gemischt mit einer unvergleichbaren Stimme, die ein ebenso unvergleichbares Charisma besitzt, kann nur zu einem Ohrenschmaus führen. Man wird binnen weniger Sekunden aus seinem Alltag entrissen und taucht in die Welt von harten und eindringlichen Gitarrenriffs ein. Ehrliche und persönliche Storys lassen Fans den vier Musikern von Spin My Fate auf eine Art nahe kommen, auf die sie sich sonst nur selbst nahe sind. Noch näher geht es dann nur auf einem der kommenden Konzerte. 

 

Tracklist:

1. Tides
2. This Ends Now
3. Fix Me
4. Dying Day
5. Devil’s Advocate
6. Afterglow
7. Slipping Away
8. Lullaby
9. No Solutions
10. Swim
11. Jump Song
12. What Is The Matter
13. Self Confidence

 

Release: 19. Mai 2017
Genre: Metal & Rock
Label: Big Vish Records
Anspieltipp: Slipping Away, What Is The Matter
Order: www.supr.com/spinmyfate
Homepage: www.spinmyfate.de

 

Text: Angy B.