CD-Review: KMFDM – Hell Yeah

Das 20. Studioalbum – oder „Halbzeit“ wie es Käpt’n K vielleicht formulieren würde – drückt sich bei jedem der darauf befindlichen 13 Lieder förmlich aus der Lautsprechermembran heraus. Also keine Zeit zu verlieren, ich fange direkt an. PS: Wer den sanften Start will, dem empfehle ich als Einstieg unser Review zur EP. 🙂

KMFDM - Hell Yeah

Im titelgebenden Eröffnungssong Hell Yeah wird gleich mal klargestellt, dass KMFDM sich auch nach 3 Dekaden immer noch treu bleibt: knackig, kraftvoll, auf den Punkt. Zudem sind Sound und Lyrics so eingängig, dass es definitiv einer der Songs sein wird, die vom 2017er Album sehr lange in Erinnerung bleibt. Möglicherweise auch aufgrund des dazugehörigen Musikvideos, was durch keinen Geringeren als Aidan „BRUTE!“ Hughes gestaltet wurde – dem Grafiker fast aller Albumcover der Band und den Musikvideos A Drug Against War und Son Of A Gun. 

Freak Flag ist in jeder Hinsicht ein Song, der für Sängerin Lucia Cifarelli geradezu maßgeschneidert ist. Elektro-Vamp-Rock bezeichnet es vielleicht am Besten. Den Elektro-Vamp-Pop bekommen wir dann bei Murder My Heart serviert. 🙂

Dieser KMFDM-Sound wird dann bei Rip The System v. 2.0 – mit dem KMFDM-Sound der Ende 80er / Anfang 90er gekoppelt und ist somit der Brückenschlag zur früheren Ära. Spannend bleibt die Frage, ob die Band um Sascha Konietzko auch in Zukunft wieder vermehrt solche Abstecher in alle möglichen Genres machen wird. Bei den beiden Zwischenstücken Oppression hätten wir zum Beispiel schon einmal so einen Mini-Abstrecher. Die jeweils unter einer Minute dauernden Liedern – die den Titel Total State Machine einrahmen – erinnern an die früheren Zeiten: Sprechgesang, elektrisch vertont – Elemente, mit denen die Band ja schon seit den 80ern spielt, nur hier eben mal mit Reggae. Auch schick. 🙂

Aber das, was bei all der Leichtigkeit und den textlichen Parolen mit dem gewissen Augenzwinkern eine KMFDM-Platte erst zu einer KMFDM-Platte macht, ist ein klares Statement. Auf Hell Yeah wäre dies zum Beispiel ein Statement zum 45. Präsidenten der USA und dessen Geplänkel mit den Medien, beschrieben in Fake News. Naja, und für Total State Machine braucht es auch nicht viel Fantasie beim Hören des Textes. Das Stück ist sogar universeller anwendbar. 😉

Überhaupt war KMFDM ja nie darauf aus ihre Botschaften zwischen den Zeilen zu verstecken – in Namen der Kunst, versteht sich. So bekam wohl auch der Song Fake News den Titel, den er nun mal eben trägt. Thematisch perfekt und mit so einer eingängigen Melodie, dass es mich nicht wundern würde, wenn er eben aufgrund dieser Kombination gerade zum Ohrwurm avanciert.

Machen Sie sich aber keine Gedanken, Herr Trump. Ihr Amtsvorvorgänger George W. Bush musste da auch durch – auf dem Album WW III. Wobei … wenn man sich das 2003 erschienene Werk heute wieder anhört … sooo viel geändert hat sich nichts. Aktuell ist es immer noch. Vielleicht heute sogar mehr als damals. Aber ich schweife ab. Zurück zum Hier und Jetzt.

Nach einen Dutzend feinster IndustrialPopRockElectro-Stücke verabschiedet sich KMFDM standesgemäß mit Glam Glitz Guts & Gore. Hatte ich schon bei Rip The System v. 2.0 die früheren Äras in Erinnerung, wird man nach den ersten Sekunden dieses letzten Songs wissen, was ich meine. Das ist Industrial in seiner reinsten Form! Ein Musikhistoriker könnte hierzu seine Doktorarbeit schreiben. Da ist wirklich alles drin, was dieses Genre laut Definition ausmacht.

KMFDM_Berlin

Fazit:

Die einen mögen vielleicht meinen, dass Hell Yeah so ein bisschen an Symbols anschließt. Andere finden vielleicht, dass Hell Yeah mehr wie das erste Album Attak nach der Neugründung in 2002 klingt. Aber wollen wir mal hier nicht in dieses „Früher waren sie besser“ verfallen, wenn wir doch so eine schicke Scheibe präsentiert bekommen. Und schließlich ist Heute das viel beschworene Früher von Morgen. Also wer mitquatschen will, der hole sich dieses zukünftige Stück Musikgeschichte. 🙂

Und da wir gerade beim Präsentieren waren: Die Band präsentiert das neue Werk live und noch vor dem Release in der Landeshauptstadt. Und das Ganze einen Tag bevor sie beim M’era Luna Festival den Hangar zum Beben bringen. Tickets für den Gig am 11.08.2017 im Nuke Club gibt es hier: www.dodotickets.de

 

Tracklist:

1. Hell Yeah
2. Freak Flag
3. Oppression 1/2
4. Total State Machine

5. Oppression 2/2
6. Murder My Heart
7. Rip The System V.2.0
8. Shock
9. Fake News
10. ℞ 4 The Dammed
11. Burning Brain
12. Only Lovers
13. Glam Glitz Guts & Gore

 

Release: 18. August 2017
Genre: Industrial Rock
Label: earMUSIC
Anspieltipp: Hell Yeah, Murder My Heart, Fake News
Order: www.amazon.de
Homepage: www.kmfdm.net

 

Text: Ginger Chan