CD-Review: Exit Eden – Rhapsodies In Black

Was zur Hölle haben unter anderen Madonna, Rihanna, Lady Gaga, Katy Perry, Adele und Bonnie Tyler auf einem Album zu suchen? Sind wir hier bei den Bravo Hits XY angekommen?

Ganz im Gegenteil, denn EXIT EDEN haben sich einiger ihrer Welthits angenommen und präsentieren diese nun auf ihrem Debüt-Album Rhapsodies In Black, welches am 04.08.2017 erscheint. Anders, härter, düsterer, besser – EXIT EDEN zeigen, wie sich Mainstream-Songs, die man meistens nur beiläufig im Radio hört, interessanter und alternativer anhören können. Wer über EXIT EDEN und die Damen, die sich hinter diesem Namen “verstecken”, mehr erfahren will, der sollte unsere kürzlich verfasste Bandvorstellung mal abchecken.

Die 11 Songs umfassende Platte beginnt mit einem wirklich sehr bekannten Song und Dauerbrenner von Depeche Mode. Nämlich mit einem, der in diesem Jahr schon sage und schreibe 31 Jahre alt wird und teilweise älter ist als seine Neuinterpretinnen: Question Of Time. Da bei einem Cover die Interpretationsfrage meist durch die Originalkünstler geklärt worden ist, kann man sich nun wunderbar rein auf die Musik konzentrieren. Treibende Drums, klassischer bis rockig-poppiger Gesang, als auch liebliche Streichgeräusche sind in dem Track wiederzufinden. Um den düsteren Touch zur perfektionieren, geben die 4 Damen von EXIT EDEN alles, was ihre Stimmen hergeben.

Man könnte fast behaupten, sie sind die weibliche Konkurrenz von The Dark Tenor, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie sich bisher ausschließlich auf Cover Versionen von weltbekannten Liedern konzentrieren. Diese Cover sind mit solcher Raffinesse in etwas Neues verwandelt worden, dass man meinen könnte Amanda, Anna, Marina und Clémentine haben die Songs aus ihrer eigenen Feder entstehen lassen.

So kann es auch passieren, dass in eher ruhigeren Songs, in denen es um eine zerbrechende Beziehung geht wie in Unfaithful, im Original von Rihanna, härtere Klänge ertönen. Durch die Version des Quartetts bekommt der Song den nötigen Tiefgang und die Dramatik, mit denen sich die Geschichte in dem Song befasst. So singt die Deutsch-Amerikanerin Anna Brunner zerschmetternd schön und alles andere als zart und bedacht „A lie i didnt have to tell, because we both know, where i’m about to go, and we know it very well.“. Eine großartige gesangliche, als auch musikalische Neuinszenierung des Songs Unfaithful. Wer sich dazu aber immernoch kein Bild machen kann, sollte sich unbedingt das dazu veröffentlichte Musikvideo anschauen. Sehens- und hörenswert!

Geschrieben und im Originalen gesungen von Shontelle, weltweit bekannt gemacht durch James Arthur bei der britischen Version von X-Factor und nun revolutioniert für die Welt in der Version von EXIT EDENImpossible. Man fragt sich ja immer, ob ein Song, der schon etwaige Male gecovert wurde, überhaupt noch einmal gecovert werden sollte. Bei vielen Cover-Versionen kann man oft kaum noch unterscheiden, ob doch nicht alles ein und dasselbe war. Doch EXIT EDEN sei Dank ist Impossible hier in einer Version umgesetzt, die man so wahrscheinlich noch nie gehört hat. EXIT EDEN leben diesen Track in seiner vollen Dramatik und Leidenschaft aus. Am imposantesten wird dies deutlich bei der mehr als ausdrucksstark gesungenen Phrase “I did.” Man fühlt dort förmlich alles, was der/die Protagonist/in durchlebt haben muss. Wer sich diese gefühlvolle Ballade mit dramaturgischer musikalischer Untermalung anhören will, der sollte sich unbedingt das erst kürzlich erschienene Musikvideo dazu ansehen. Empfehlenswert!

Aber EXIT EDEN zeigen zwischendurch auch mal, dass man einen Song, der an und für sich schon perfekt ist, nicht großartig verändern muss, um ihn in einem neuen Gewand erklingen zu lassen. In Kombination mit hallenden Backing Vocals ist der Song Skyfall, welcher ursprünglich von Adele stammt und für einen der James Bond Filme als Titelmusik diente, ein mehr als gelungenes Cover. Natürlich wurde an der ein oder anderen Stelle auch die Musik optimiert, um den Titel im typischen EXIT EDEN Sound erklingen zu lassen, aber im Großen und Ganzen wurde er so belassen, sodass die Stimmen der Damen hier eine äußerst starke Rolle spielen. Hier wird alles gezeigt, was die Sängerinnen in ihren Karrieren an technischen Feinheiten ihrer Stimmen erlernen konnten. Eine grandiose Explosion an Stimmgewalt bricht in diesem Song aus.

Ganz süß und mit Xylophon-Klängen beginnen sie mit der eigenen Version von Papparazzi, welcher im Original von Lady Gaga stammt. Doch diese anfängliche Stille ist nur ein kleines irreführenders Intro, welches abrupt mit harten Gitarrenriffs gestoppt wird. Neben der stets super gesanglichen Leistung steht hier die Gitarre musikalisch im Vordergrund. Für jeden Gitarrensololiebhaber ist dieser Song also wärmstens zu empfehlen. Richtung Ende des Songs werden die ein oder anderen Screaming Vocals mit eingebaut, die begleitend zum Gitarrensound sehr gut zum Song passen.

Der Letzte und somit 11. Track des bald erscheinenden Debüt-Albums stammt ursprünglich von Visage und heißt Fade To Grey. Die Besonderheiten des Liedes sind die französischen Sprechgesangblöcke, die natürlich Clémentine Delauney übernommen hat. Warum denn auch nicht, wenn man schon mal eine Französin mit an Bord hat, die der Sprache mächtig ist. Fade To Grey ist ein Song, der mich im Originalen überhaupt nicht anspricht. Dank EXIT EDEN und ihrer rockigen Version ist er endlich zu einem Song geworden, den man sich mehrmals hintereinander anhören kann, ohne direkt zu denken er wäre die Einladungsmusik von Scientology. Für mich die am besten gelungene Umwandlung eines Klassikers zu einem neuen Musikstück.

Fazit:

Auch wenn sich nicht alles hier um Klassik in rockiger Version dreht, erinnern EXIT EDEN dennoch ein wenig an The Dark Tenor. Aufgrund ihres klassischen bis rockig-poppigen Gesangs, könnte man die ein oder andere Parallele ziehen. Alles in Allem ist Rhapsodies In Black ein gelungenes Werk, welches beim Zuhörer für Begeisterung sorgt und es schafft Songs, welche man vielleicht vorher aufgrund von Missgefallen oder anderer Szeneangehörigkeit nie gehört hatte, gut zu finden. Man darf in Zukunft also auf mehr gespannt sein und darauf, welche bekannten Lieder von EXIT EDEN noch in einen cooleren und teils besseren Sound verwandeln werden. Wer sich also denkt “Die muss ich mal live sehen“, dem empfehle ich stark ihre allererste Live-Show am 22.09.2017 in Hamburg auf den Hamburger Metal Dayz zu besuchen.

 

Tracklist:

1. Question Of Time (Depeche Mode Cover)
2. Unfaithful (Rihanna Cover)
3. Incomplete (Backstreet Boys Cover)
4. Impossible (Shontelle Cover)
5. Frozen (Madonna Cover)
6. Heaven (Heart Cover)
7. Firework (Katy Perry Cover)
8. Skyfall (Adele Cover)
9. Total Eclipse From The Heart (Bonnie Tyler Cover)
10. Paparazzi (Lady Gaga Cover)
11. Fade To Grey (Visage Cover)

 

Release: 04. August 2017
Genre: Metal / Rock
Label: Napalm Records
Anspieltipp: Impossible, Total Eclipse From The Heart
Order: shop.napalmrecords.com/exiteden
Homepage: www.exit-eden.com

 

Text: Angy B.