CD-Review: Enemy I – Dysphoria

Enemy I – eine Berliner Band, die dunkelschönen Industrial Metal und Gothic Rock mit Death Metal Einflüssen fabriziert und damit zu überzeugen weiß. Schon 2014 gründeten Frontmann und Mastermind Rob DeVille, Drummer Alex Swienty, die Gitarristen Marco Neujahr und Jay Agana und Bassist Arthur Antagonist die Band. Irgendwo zwischen Paradise Lost, Zeromancer und Lord Of The Lost wird Enemy I nebst melancholischen Klängen und Texten eben durch genau diese Mischung aus Industrial, Gothic und Death Metal, die zusammengenommen für sich wiederum einen ganz neuen Sound erschaffen, ausgemacht.

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Mit ihrer fünf Titel umfassenden Debüt-EP Anywhere But Here (VÖ Februar 2014) konnten sie bereits punkten und sich eine Fanbase aufbauen. Nun – oder besser gesagt endlich – schieben sie ihr erstes Album Dysphoria hinterher, auf dem gleich 13 neue Songs zu finden sind. Wie sich das anhört und ob sich ein Kauf lohnt, erfahrt ihr hier…

Gekennzeichnet durch oben beschriebenen Sound-Mix und die melancholisch-depressiven Texte lässt sich Enemy I  am besten als Depressive Industrial Metal kategorisieren. Ihre Musik ist vor allem etwas für Leute, die auch gerne einmal über den Tellerrand hinaus blicken.

Dysphoria startet mit Don’t Trust: eine bedrohliche Melodie, ein Rauschen, Drums, Gitarren und Bass setzen ein, treibend und gerade heraus, im Hintergrund elektronische Elemente. Eine provokante und sehr energiegeladene Mischung, die schließlich durch Rob’s meist klaren Gesang, aber auch mittels Growls und sehr melodischen Parts komplettiert wird. Thematisch fassen es Enemy I selbst ganz gut zusammen: „Von Selbstzweifeln geplagt und im stetigen Kampf mit sich selbst, treiben wir unseren Protagonisten zur Suche nach einem Ausweg aus der Flucht vor der Realität und zur Selbstfindung an.„. Dieses Vorhaben scheitert jedoch gleich im nächsten Song Twinsight , auf den es mittels eines Lyric-Videos bereits einen ersten Vorgeschmack gab (VÖ 04.05.2017). „[Wir lassen] den Kampf gegen sich selbst für das lyrische Ich in einem Zustand der lebensbedrohlichen Schizophrenie münden.“ – wow, das ist niederschmetternd.

Und genauso werden dem Hörer hier nicht nur Worte, sondern auch der Enemy I eigene Sound um die Ohren geschmettert. Von deutlich erkennbaren treibenden Death Metal Einflüssen (Placebo God) über schwere Industrial-Doom Tracks (A Battlefield) bis hin zu tanzbaren Dark und Gothic Metal Songs (The Cage) werden auf Dysphoria viele Metalbereiche angeschnitten und handwerklich gut miteinander verknüpft.

Bei Dysphoria handelt es sich um ein teilkonzeptionelles Album, d.h. in gut der Hälfte der Songs verbirgt sich eine aufeinander aufbauende Geschichte – ein roter Faden sozusagen. Wie in vielen Liedern geht es auch hier um eine Beziehung. Die Titel The Cage, Miss Sex, Without Undue Delay,  Battlefield, Some Exist, Our Demise, Final Cut und Spell-Cast handeln von den Anfängen jener Thematik, ziehen ihre Kreise über die schönen Aspekte der Zweisamkeit und münden in dem unweigerlichen Ende, woraus Selbstzweifel, Depressionen und schließlich Neubeginn hervorgehen. Da dieses Ende gewissermaßen ein Cliff-Hänger ist, ist es durchaus vorstellbar auf dem nächsten Album eine Fortsetzung der Beziehungskiste zu thematisieren.

Besonderheiten weisen die Songs A Battlefield, der mit über 8 Minuten Spielzeit der längste des Albums ist – Our Demise – welcher auf der pysischen Scheibe einen Hidden Track beinhaltet, sowie S.A.R.B. auf. Letzterer ist ein… nennen wir es Instrumentalstück der besonderen Art. Ich persönlich mag es, wenn Instrumentals eingefügt werden um Spannung aufrecht zu erhalten oder auf einen Folgesong einzustimmen. Es hat immer noch etwas beruhigendes, sich einen Moment lang nur auf die Musik zu konzentrieren ohne Ablenkung durch Lyrics. Doch das hier ist anders! S.A.R.B. steht für „Satan always rides backwards“ und so ist auch dieses Stück komplett rückwärts. Dadurch entsteht ein echt verwirrendes Gebilde, das direkt aus dem Vorspann eines Horrorfilm stammen könnte und an dem vor allem Verschwörungstheoretiker aber auch Musik-Nerds ihren Spaß haben werden.

Fazit:

Dysphoria bietet mit dem breiten Spektrum der Metalbereiche viel Abwechslung, ist aber dennoch in sich stimmig und Enemy I  beweisen hiermit nicht nur ihren Facettenreichtum, sondern auch viel an Authentizität. Die Jungs haben ihr Handwerk wirklich drauf! Und dass sie die Scheibe in Eigenproduktion aus dem Boden gestampft haben zeugt nicht nur von ihrem Ehrgeiz etwas durchzusetzen, sondern auch von ihrer Kompetenz.

Wer sich jetzt einmal selbst ein Bild vom vielschichtigen Enemy I  Sound machen möchte, der sollte sich auf jeden Fall das Album Dysphoria besorgen, welches ab dem 26.05. erhältlich ist. Oder am 27.05. in der Wabe Berlin vorbeischauen und sich die sympathischen Berliner beim Record Release Konzert live anhören und ansehen. Supports sind Intrasonic (Industrial Rock) und Edge of Ever (Heavy Metal / Progressive), los geht es um 20 Uhr, erscheint zahlreich!

 

Tracklist:

1. Don’t Trust
2. Twinsight
3. The Cage
4. S.A.R.B.
5. Placebo God
6. Miss Sex
7. Without Undue Delay
8. A Battlefield
9. Some Exist
10. Heartbeat Decline
11. Our Demise
12. Final Cut
13. Spell-cast

 

Release: 26. Mai 2017
Genre: Industrial Metal, Dark Rock
Label: Eigenproduktion
Anspieltipp: Twinsight, The Cage, Miss Sex
Order: www.amazon.de
Homepage: www.enemyi.com
 
 
Text: Steph Lensky