CD-Review: Eisbrecher – Sturmfahrt

Volle Kraft voraus! – Mit Eisbrecher auf Sturmfahrt

Alexander Wesselsky schockt bereits seit 2002 die Republik. Mit seiner süddeutschen Band Eisbrecher hat sich der charismatische Frontmann über die Zeit einen wahren Namen in der deutschsprachigen Rockszene machen können. Schon mit ihrem damaligen Debüt-Album Eisbrecher setzten sie ein absolutes Zeichen und machten – nicht alleine durch die Mitlieferung von zwei Rohlingen für das Kopieren des Langspielers – auf sich aufmerksam.  Es folgten Antikörper, Sünde und Eiszeit, mit denen sich Eisbrecher endgültig ein Denkmal im deutschen Rock-Olymp setzen konnten. Damals segelte die Crew noch unter dem Label AFM Records. Durch die Verkaufszahlen des letztgenannten Studio-Albums sicherten sie sich allerdings sogar einen Vertrag bei dem Major-Label Sony Music.

Dass die Rocker noch lange nicht genug hatten, zeigten sie mit ihrem folgenden Album Die Hölle Muss Warten (Platz 3 der deutschen Albumcharts), welches 2012 auf dem Markt erschien. Die vorangegangene Singleauskopplung des Songs Verrückt landete auf Platz 43 der Single-Charts und ist nach wie vor ein Highlight bei Live-Auftritten. Dieser Langspieler, ebenfalls wie der Nachfolgende Schock (2015 – Platz 2 der deutschen Albumcharts), wurde sogar mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Die veröffentlichten Werke wurden selbstverständlich gebührend bei Auftritten quer durch das Land gefeiert. Ob auf Festivals – wie dem M’era Luna, dem Amphi Festival (ein Review zum Festival gibt es hier) und seit diesem Jahr dem bandeigenen Volle Kraft Voraus Festival (das Review findet ihr hier) – oder auf Headliner Touren, wenn der Kapitän ruft, strömen die Massen herbei, um ausgelassen mit dem Quintett zu feiern, zu singen und zu tanzen.

Nun ist es endlich wieder so weit: am 18. August 2017 kehren Eisbrecher mit ihrem neuen,14-Tracks starken Album aus den Tonstudios zurück und laden zur Sturmfahrt ein. Wie schon bei den vorherigen Alben bedient sich die Band erneut an dem einen oder anderen Tabu-Thema, übt Gesellschaftskritik und regt die Hörer zum Nachdenken an. Erscheinen wird das Album in der normalen Version, sowie in der Special Edition (zu erwerben hier).

Begrüßt wird man mit dem Song Was Ist Hier Los, der im Vorfeld als Single Auskopplung veröffentlicht und bereits bei Live-Auftritten gespielt wurde. Eisbrecher präsentieren sich bei diesem Song in altgewohntem Gewand und blasen dem Fan brachialen Sound und Alex‘ eindringliche Stimme entgegen. Ein Track mit absolutem „Ohrwurm-Charakter“. Auch mit dem folgenden Stück Besser bleibt die Band bei der zuvor gezeigten Härte. Der Refrain „Es ist besser du gehst jetzt. Du bist alles, was mich krank macht, mich zerstört und ruiniert. Es ist besser du gehst jetzt. Ich packe dich mit deinen Koffern voller Lügen vor die Tür!“ beinhaltet das Statement, wie man mit Menschen umzugehen hat, die einem nicht gut tun. Ein Text, der die Deutlichkeit der Aussagen des Frontmanns absolut unterstreicht und verdeutlicht, wie sich Alex auch in anderen Belangen in der Öffentlichkeit darstellt.

Mit dem Titelsong Sturmfahrt geht es energiegeladen, aber ebenso melodisch, weiter. „Mit Volldampf voran, auf in den Untergang“ geht es auch mit In Einem Boot. Hier bedienen sich Eisbrecher der Titelmelodie des Filmklassikers Das Boot und erschaffen eine eindrucksvolle Ballade, die ihresgleichen sucht. Es folgen die Songs Automat und Eisbär. Bei dem zweitgenannten Stück handelt es sich um eine sehr elektronisch gehaltene Coverversion des NDW-Klassikers von Grauzone. Mit diesem Lied bricht Alex mit dem bisherigen Verlauf des Albums, bevor es mit Der Wahnsinn zurück zu ihren rockigen Wurzeln geht.

Auch die darauffolgende, zweite Ballade des Albums, die den Namen Herz Auf trägt, präsentiert sich in rockiger Form und lädt zum Mitsingen, sowie Träumen ein. Wer es sich nun auf der Couch gemütlich machen möchte, um entspannt den sanften Tönen zu lauschen, der wird durch das Intro von Krieger schnell wieder aus dem entspannten Modus katapultiert, denn hier bedienen sich Eisbrecher der Sirene für Fliegeralarm, die von starken Gitarrenriffs durchbrochen wird. Schon der rein melodische Teil lädt zum Kopfnicken ein und lässt Adrenalin durch die Venen schießen. Der mitgelieferte Gesang des „Checkers“ geht kraftvoll nach vorne und vervollständigt dieses Werk eindrucksvoll. Der folgende Track Das Gesetz reiht sich nahtlos in die rockigen Stücke der Scheibe ein, bevor die dritte Ballade Wo Geht Der Teufel Hin eine weitere, kurze Verschnaufpause vom Headbangen und Mitschreien bietet.

Wir Sind Rock’n’Roll ist ein passender Ausruf der Band und leitet das große Finale des Silberlings ein. Ein Song, der an die Härte der anderen Werke zwar melodisch nicht ganz heran kommt, aber durch die Aufmachung zu einem richtigen Partykracher werden könnte. Dass sich die Seefahrer nicht alleinig auf dem Wasser aufhalten wollen, zeigen Eisbrecher mit D-Zug. Das Lied ist eine Metapher in sich, kann man es doch in viele verschiedene Richtungen deuten und auf die unterschiedlichsten Lebenssituationen beziehen.

Die Verabschiedung, die Alex den Hörern in Form der Komposition Das Leben Wartet Nicht bietet, geht erneut in die Richtung der Balladen und beinhaltet die Forderung des Kapitäns, sein Leben bei den Hörnern zu packen. Ein stimmiger Abschluss für dieses Album.

Fazit:

Für Freunde und Fans der Band ist dieses Album ein absolutes Must Have! Der Mix aus harten Sounds und weichen Melodien kommt genauso gut heraus, wie die Tiefgründigkeit der Balladen. Die Stimme von Alex ist eindringlich wie immer und bei vielen Songs kann man sich die Bühnenperformance quasi vor dem inneren Auge bereits vorstellen. Allerdings kommt es, meiner Meinung nach, nicht an Alben wie Antikörper und Die Hölle Muss Warten heran. Dafür ist es wesentlich konsequenter und besser durchdacht als das letzte Album Schock.

Und natürlich gehen Eisbrecher auch mit diesem Silberling auf große Sturmfahrt Tour und haben sich für diese Events niemand geringeres, als die Dark Rocker von Unzucht eingeladen, die dem Publikum gebührend einheizen werden.

29.09.2017 [DE] – Oberhausen, Turbinenhalle
30.09.2017 [DE] – Hamburg, Mehr! Theater
01.10.2017 [DE] – Wiesbaden, Schlachthof
02.10.2017 [DE] – Stuttgart, Liederhalle
03.10.2017 [DE] – München, Zenit
05.10.2017 [AT] – Wien, Gasometer
06.10.2017 [DE] – Dresden, Alter Schlachthof
07.10.2017 [DE] – Leipzig, Haus Auensee
08.10.2017 [DE] – Berlin, Columbiahalle
10.10.2017 [DE] – Saarbrücken, Garage
11.10.2017 [CH] – Zürich, X-Tra Limmathaus
13.10.2017 [NL] – Eindhoven, De Effenaar
14.10.2017 [FR] – Paris, Le Trabendo

Tickets gibt’s im Eisbrecher Ticketshop

 

Tracklist:

1. Was Ist Hier Los?
2. Besser
3. Sturmfahrt
4. In Einem Boot
5. Automat
6. Eisbär
7. Der Wahnsinn
8. Herz Auf
9. Krieger
10. Das Gesetz
11. Wo Geht Der Teufel Hin
12. Wir Sind Rock’n’Roll
13. D-Zug
14. Das Leben Wartet Nicht

 

Release: 18. August 2017
Genre: NDH, Rock, Gothic, Elektro
Label: Sony Music
Anspieltipp: Sturmfahrt, In Einem Boot
Order: www.amazon.de
Homepage: www.eis-brecher.com/

 

Text: Sebastian Degel