Albumvorstellung und Review: Asking Alexandria 15.12.2017

Neues Album, alter Sänger! Wer denkt, dass wir mit dem gleichnamigen Album wieder zu den Zeiten von „Stand up and Scream“ oder „Reckless and Relentless“ zurückkehren, den muss ich leider enttäuschen. Das soll aber nicht bedeuten, dass sie schlechter geworden sind, ganz im Gegenteil!
Mit dem fünften Studioalbum präsentieren sich Asking Alexandria, seit Ende letzten Jahres wieder mit dem alten Sänger Danny Worsnop, stärker als je zuvor und senden gleichzeitig eine wichtige Message an die Fans und die ganze Welt, aber dazu später mehr.

Den Anfang macht „Alone in a Room“. Der Opener brilliert mit einem sanften Einstieg und viel Rhythmus. In dem Song verarbeitet der Sänger Danny seine Vergangenheit mit der Band und seinen persönlichen Problemen, die ihn 2015 zur Trennung von Asking Alexandria brachten. Bereits Mitte September erschienen, tritt nun „Into the Fire“ ins Geschehen. Thematisiert wird der Zwiespalt einer Person. Ersichtlich ist dies auch in dem dazu veröffentlichten Musikvideo, indem der Frontmann sein böses Ich stellt, welches seine Bandmitglieder nach und nach in Verkehrsunfällen bewusst töten will. Der Song zeigt gerade in der Bridge, dass die Band ihre musikalische Härte nicht verloren hat. 

Der dritte Track „Hopelessly Hopeful“ fokussiert sich mit dem stärkeren Einsatz von Synthesizern ganz klar auf die Harmoniken und sticht durch einen sehr eingängigen Refrain hervor. Nun kommen wir zu einem Lied, welches genauso wie „Into the Fire“ bereits vorab released wurde. Damit aber nicht genug! Zu Beginn sprach ich von einer Message an die Welt. Diese ist hierin verankert. Als Resümee der Bandgeschichte spiegelt der Song zudem auch die Attitüde der Band, wie sie heute ist, wieder. „The I don‘t care one“, eine Textzeile aus ‚Where did it go?‚, die das neue Album am besten beschreibt. Asking Alexandria wollen allen zeigen, wie sie die Vergangenheit erlebt haben und klarstellen, dass dieses Album genau das ist, was sie sind und immer sein wollten. Ein Statement mit dem nicht alle Fans konform gehen, trotzdem ein wichtiger Meilenstein der Band darstellt.
Song numero fünf heißt „Rise Up“ und tritt als ein sehr gelungener Fill-Track auf. Trotz der ruhigeren Strophen lädt das Lied durch einen sehr core-lastigen Chorus zum Headbangen ein, zu dem jeder mitgehen muss. Dass die Jungs die Liebe zur Musik und zur Bühne in sich tragen, weiß man nicht erst seit gestern. Bereits in dem Song „To the Stage“ aus dem 2011 erschienenen Album „Reckless and Relentless“ ist dies zu sehen. Nun reiht sich auch „When the Lights come on“ in dieses Themengebiet ein. Untermalt mit Publikumsjubeln, beschreibt der Track die Gedanken und die Haltung der Band, bevor es auf die Bühne geht. Wenn es dann soweit ist, hofft jeder Musiker, dass die Menschenmassen zu der Musik abgehen. Dies wird höchstwahrscheinlich in der Livedarbietung von „Under Denver“ der Fall sein. Bestimmt durch fantastische Elektro-Elemente, entsteht eine fast vogelfreie Atmosphäre, die das Dahinschwelgen nur so anbietet. Fernab von dem rockigen Image präsentieren sich Asking Alexandria mit „Vultures“ in einem sehr gefühlvollen und akustischen Gewand. Als Gegenstand wurde die Selbstresignation herangezogen. Ein Lied, welches mich persönlich sehr berührt. Schließt man die Augen und hört genau auf den Text, dann kann man sich in die Situation hineinversetzen und kommt vielleicht auch selber zum Nachdenken.
Wer sich noch an den ersten Teaser zu den Arbeiten am neuen Album erinnern kann, der wird noch die Zeile, gescreamt von Danny Worsnop, in den Ohren liegen haben: „I am iniquity!“. Ab heute ist klar, zu welchem Song dieser Text gehört. „Eve“ ist einer der mit härtesten Tracks auf der LP. Metalcore vom Feinsten, der wiederum eine ganz neue Facette des Genres bei Asking Alexandria zeigt. Energiegeladen und schnell, genauso wie der folgende Track „I am one“. Beide Songs sind definitiv würdig, sie in eine Setlist aufzunehmen.
Dass die Band nun ihr wahres Ich zeigen will, hab ich im Laufe der Review nun schon ab und an erwähnt. Das wird jedoch spätestens mit dem Lied „Empire“ featuring den Rapper Bingx deutlich. Entgegen den Erwartungen eines bombastischen Metalbretts unterbreitet die Gruppe um Frontmann Worsnop ihren Hörern Metal gemischt mit Hiphop. Diese Synthese von Genres bildet den wohl kontroversesten Song der Platte, da nicht alle Fans einen Raptrack erwartet hatten. Neben den Rap-Parts in den Strophen tritt nun auch erstmals auf dem Album der Gitarrist, Ben Bruce, als Sänger innerhalb des Pre-Chorus‘ in den Vordergrund. Das Schlusslicht der LP bildet der Song „Room 138“, welcher sowohl aus musikalischer als auch inhaltlicher Sichtweise sehr interessant ist. Trotz eines ruhigen Anfangs ist ab dem Chorus eine Energie da, welche sich durch den Rest des Liedes zieht. Alteingesessenen Fans ist im Refrain jedoch etwas aufgefallen. Die Melodie kennt man doch in einer etwas abgewandelter Art und Weise, und zwar in dem Schlusspart des Songs „If you can‘t ride two horses at once… You should get out of the circus“ aus dem ersten Album „Stand up and Scream“. Schon damals ein textlich emotionaler Track, indem ein Schmerz dargestellt wird. Jener Schmerz zu der Zeit scheint nun wieder da zu sein, sodass die Person mit der Zeile „Please pull me out of this“ eine Art Hilfeschrei ausstößt. Für mich stellt „Room 138“ eine direkte Verbindung zu den Wurzeln der Band dar.

Fazit: 

Ich bin sehr beeindruckt von dem Album. Für mich haben Musiker in vielerlei Hinsicht zu polarisieren und zu bestehen. Mit ihrem Fünften hat Asking Alexandria dies wirklich geschafft. Musikalisch beweist die Band, dass sie zu viel mehr im Stande ist, als sie in all der Zeit gezeigt haben. Metalcore gepaart mit viel Elektro, Synthesizern, Classic Rock, Hiphop und sogar akustisch. Gibt es etwas, dass sie nicht können? Auch gesanglich zeigt sich eine große Veränderung. Im Vergleich zu den ersten Alben, in denen viel auf Screams und Growls gesetzt wurde, hat der Sänger Danny Worsnop hier mit seiner Kraft, Stimmumfang und Gefühl sehr gut punkten können. Ich persönlich habe mich auf eine Rückkehr zu den früheren Songs schon gefreut, bin jedoch mit diesem Ergebnis mehr als zufrieden. Gerade deswegen, weil die Band auch ihren Standpunkt und ihre Interessen klar und deutlich darstellen konnten. Die Lyrics sind direkt, gefühlvoll und sehr intim, was sicherlich zur Freude der Fans ist. Meine Lieblingssongs sind „Eve“, „Room 138“ und „Vultures“, da sie all das widerspiegeln, was ich bis dato aufgelistet habe. Gibt es auch Negatives zu sagen? Ja, leider. Das Negative liegt für mich im Song „Empire“. Damit keine Missverständnisse aufkommen: es liegt nicht am Fakt, dass dieser Rap enthält. Es ist ein sehr guter Rap und auch hierbei textlich in das Gesamtkonzept des Albums passend. Jedoch ist dieser etwas zu weit von dem entfernt, wofür Asking Alexandria musikalisch für mich steht.

Text: Arian Haliti